Header

Suche

Darlegen

Grundlegendes

Wer Geschichte studiert, muss nicht nur wissenschaftliche Texte lesen, sondern auch produ­zieren. Beim wissenschaftlichen Schreiben sind die folgenden zentralen Punkte zu beachten.

Diskursivität und Transparenz

Wissenschaftliche Texte stehen immer im Austausch mit anderer Forschung. Aus diesem Grund ist es wichtig, Eigenes und Fremdes als solches zu kennzeichnen. Im Text muss stets kenntlich gemacht werden, ob man Fakten referiert, den Forschungsstand zu einem Thema wiedergibt, eigene oder fremde Hypothesen präsentiert oder eigene Interpretationen formu­liert.

Reflektierte Auseinandersetzung mit den analytischen Begriffen und der Quellensprache

Eine reflektierte Auseinandersetzung mit Begriffen umfasst eine präzise Begriffswahl, die Er­klärung der Fach- und Fremdwörter sowie den korrekten Umgang mit Quellentermini. Ein besonderes Augenmerk ist auf die theoretischen und methodischen Begriffe zu richten, damit verständlich wird, was der:die Autor:in der Arbeit unter dem betreffenden Begriff versteht.

Begriffe, die im Zentrum einer Arbeit stehen und für den gewählten Ansatz zentral sind, soll­ten in der Einleitung umschrieben werden. Bei entlehnten oder mehrdeutigen Definitionen muss man klarmachen, ob es sich um eine enge oder um eine weitgefasste Begriffsbestimmung handelt. Weiter muss eine einmal getroffene Bestimmung konsequent beibehalten werden. Be­sonders kritisch muss man Begriffe hinterfragen, deren Geschichte eng mit politischen Aussa­gen und Wertungen zusammenhängt (beispielsweise Kampf- und Propagandabegriffe).

Besonders in der Alten und Mittelalterlichen Geschichte ist zudem auf die korrekte Wieder­gabe lateinischer und griechischer Termini zu achten: Lateinische Termini werden immer im Nominativ in den eigenen Text übernommen (deshalb aufpassen, wenn man einen Begriff aus einem lateinischen oder griechischen Satz herauslöst). Singular und Plural werden jedoch un­terschieden. Das Geschlecht wird aus der Originalsprache übernommen (die lex – das Gesetz). Die Begriffe werden oft durch Kursivdruck im Lauftext hervorgehoben. Für die griechischen Termini gilt grundsätzlich dasselbe. Sie werden jedoch nur kursiv hervorgehoben, wenn der Wortlaut in der lateinischen Umschrift wiedergegeben wird.

Argumentative Kohärenz

Alle Argumente müssen stringent und anhand von Quellen und/oder Forschungsliteratur be­gründet werden. Nur ein kohärenter Text ist nachvollziehbar. Ein Text ist dann kohärent, wenn man semantische Bezüge (einen «roten Faden») zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen oder Absätzen herstellen kann.

Gleichzeitig ist zwischen Argumentieren, Erklären und Beschreiben zu unterscheiden. Argu­mentieren muss man, wenn Zweifel besteht und wenn es mehr als eine plausible Antwort auf eine Frage gibt. Wer argumentiert, begründet innerhalb einer Forschungsdiskussion den eige­nen Standpunkt oder versucht zu überzeugen. Eine Erklärung begründet ebenfalls, aber nicht, um einen Standpunkt zu vertreten, sondern um einen Sachverhalt verständlich zu machen, z. B. Kausalzusammenhänge. Eine Beschreibung vermittelt schlicht Informationen.

Sprachliche Präzision

Fakten, Überlegungen und Argumente lassen sich nur mit einer präzisen Sprache zum Aus­druck bringen. Unklarheit, sprachliche Ungereimtheiten und mangelhafte Interpunktion be­hindern die Lektüre und das Verständnis. Komplexe Sachverhalte müssen nicht unbedingt durch komplizierte Satzkonstruktionen ausgedrückt werden. Deshalb empfiehlt es sich, das Manuskript vor der endgültigen Fassung von einer kompetenten Person auf Verständlichkeit, sprachliche, formale, inhaltliche und stilistische Fehler kritisch durchlesen zu lassen.

Praktische Schreibtipps

Neben den oben erwähnten grundlegenden Punkten, die es beim Verfassen von wissenschaft­lichen Texten zu beachten gilt, gibt es auch praktische Tipps, die das eigene Schreiben verbes­sern können.

  • Das Schreiben eines Textes braucht Zeit und ist ein Prozess. Es ist normal, dass ein Text mehrmals überarbeitet werden muss.
  • Ein neuer Gedanke, eine neue These oder ein neues Argument verlangen einen neuen Abschnitt.
  • Möglichkeiten der gendersensiblen und diskriminierungsfreien Sprache reflektieren und adäquat verwenden (s. Leitfäden der Abteilung Gleichstellung und Diversität).
  • Verständlich schreiben: Es hilft, sich den Text laut vorzulesen. Wenn man ins Stocken gerät, sollte man seine Formulierung überdenken. 
  • Hauptaussage im Hauptsatz, nicht im Nebensatz nennen.
  • Lange und verschachtelte Sätze vermeiden, aber kausale, temporale und konzessive Nebensätze nutzen, um Zusammenhänge klar zu machen.
  • Indirekte Rede nutzen, um Aussagen anderer wiederzugeben.
  • Nach Möglichkeit aktiv formulieren.
  • Allgemeinplätze vermeiden wie zum Beispiel «Der Mensch hat immer schon…».
  • Subjekte klar benennen, Kollektivsingulare nach Möglichkeit vermeiden (zum Beispiel: die Regierung beschloss, nicht: man beschloss).
  • Möglichst wenig Substantivierungen verwenden (vor allem bei Endungen auf -ung).
  • Vorsicht bei Metaphern: Es gilt immer zu prüfen, ob die benutzte Metapher wirklich ange­bracht und sinnvoll ist.
  • Funktionsverben vermeiden (zum Beispiel: beweisen, nicht: unter Beweis stellen).
  • Füllwörter eliminieren (sehr, somit, damit, eigentlich, genau, relativ, auch etc.).
  • Grammatik- und Rechtschreibregeln beachten, bei Unsicherheiten auf den Duden zurück­greifen. Die Korrekturfunktion des Textverarbeitungsprogramms einschalten.

Es gibt unterschiedliche Schreibtypen und damit auch unterschiedliche Schreibstrategien. Der eine plant beispielsweise lang, bevor er einen Text zu verfassen beginnt, die andere schreibt lieber drauflos. Es kann helfen, den eigenen Schreibtyp zu kennen, um die Vorteile dieses Typs mit denen anderer Schreibtypen zu kombinieren. Die Universität Frankfurt am Main bietet auf ihrer Webseite neben Handreichungen und Formulierungshilfen zum besseren Schreiben auch einen Schreibtypentest. Viele andere Hochschulen verfügen ebenfalls über Internetseiten mit Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben.

Erzählinstanz

Auch in wissenschaftlichen Texten gibt es eine Erzählinstanz, die im Text Spuren hinterlässt. Da diese Spuren mehr oder weniger deutlich sein können, gilt es zu reflektieren, wann man welche Form von Selbstreferenz wählt.1

Direkte Selbstreferenz (Ich-Form)

Die Erzählinstanz bringt sich sprachlich unmittelbar in den Text ein, etwa als Forscher:in, Verfasser:in oder als Erzähler:in. Diese Einbringung erfolgt meist im Singular. Die Wir-Form (auch Pluralis Majestatis) wirkt veraltet und wird deshalb kaum mehr gebraucht.

Indirekte Selbstreferenz

Die Erzählinstanz nimmt sich, wie auch in diesem Kompass, zu­rück. Dafür tritt entweder die Arbeit selbst in den Vordergrund («Diese Arbeit zeigt, dass…») oder es wird auf Passivkonstruktionen oder die Verwendung des Wortes «man» zurückgegriffen. Wenig gebräuchlich ist es, von sich selbst in der dritten Person zu schrei­ben («Die Verfasserin dieser Arbeit ist der Ansicht…»).

 

1 Die folgenden Ausführungen beruhen auf Universitätsbibliothek Bern: Wie komme ich im Text vor? <https://www.unibe.ch/unibe/portal/content/e809/e962/e963/e6304/e6323/e377068/e964370/files964389/11_WiekommeichimTextvor_ger.pdf>, Stand: 03.12.2020.

Umfangreichere Arbeiten

Konzept

Am Anfang jedes wissenschaftlichen Textes steht die Erstellung eines Konzeptes. Ein Konzept (auch Disposition oder Exposé) skizziert eine noch zu schreibende wissenschaftliche Arbeit. Es bietet Orientierung über die Forschungsliteratur und das Quellenmaterial zum gewählten Themenbereich, formuliert eine problemorientierte Fragestellung und zeigt auf, wie die Arbeit aufgebaut wird. Das Verfassen eines Konzepts hilft dabei, sich darüber klar zu werden, welche Ziele in der Arbeit verfolgt werden und wie man diese erreichen will.

Das Konzept sollte in jedem Fall mit der:dem Dozierenden besprochen werden.

Inhalt eines Konzepts

Ein Konzept umfasst etwa zwei bis drei A4-Seiten und enthält folgende Punkte:

  • Veranstaltungstitel bzw. Schreibkontext der Arbeit, Name
  • Provisorischer Titel der Arbeit
  • Forschungskontext des Themas
  • Möglichst präzise Situierung und (geographische, zeitliche etc.) Eingrenzung des Themas innerhalb dieses Kontextes
  • Formulierung einer konkreten Fragestellung und der damit verbundenen Erkenntnisabsicht, eventuell mit Unterfragen und/oder Arbeitshypothesen
  • Skizzierung des Forschungsstandes: Wie gut ist das Thema bereits erfroscht? Wo gibt es Forschungslücken? Auf welche Forschungsliteratur stützt sich die Arbeit und weshalb?
  • Erläuterung der Quellengrundlage und der Quellenauswahl; kurze Charakterisierung der ausgewählten Quelle(n)
  • Kurze Skizzierung der inhatlichen Gliederung der Arbeit in ganzen Sätzen oder als vorläufiges Inhaltsverzeichnis. Dabei soll auch angegeben werden, wie viele Seiten die einzelnen Kapitel etwa umfassen werden. 
  • Vorläufiges Quellen- und Literaturverzeichnis

Konzept anpassen

Beim Verfassen und Besprechen eines Konzepts können allfällige Schwächen einer Arbeit zu­tage treten. Das ist ein grosser Vorteil, weil sich zu diesem Zeitpunkt die Fragestellung, die Gliederung oder andere Elemente noch relativ einfach verändern lassen. Es ergibt deshalb Sinn, ein Konzept genau durchzudenken und falls nötig mehrmals zu überarbeiten, bevor man mit dem Schreiben der Arbeit beginnt.

Seminararbeit

Eine Seminararbeit muss folgende Elemente enthalten: Titelseite, Abstract, Inhaltsverzeichnis, Haupttext (bestehend aus Einleitung, Hauptteil, Schlusswort) sowie Bibliographie (Quellen- und Literaturverzeichnis). Der Aufbau einer Arbeit muss logisch sein, eine fortlaufende Ar­gumentation ermöglichen sowie zur Fragestellung und zum gewählten methodisch-theoreti­schen Ansatz passen.

Das Abstract ist eine Kurzfassung der fertigen Seminararbeit, die vor dem Inhaltsverzeichnis der Arbeit steht. Der Inhalt der Arbeit wird in einem einzigen Abschnitt von max. 1000 Zeichen gerafft wiedergegeben, um die Leser:innen rasch und präzise über folgende Punkte zu infor­mieren:

  • Thema und Relevanz: Was wird untersucht, mit welcher Fragestellung und in welchem wissenschaftlichen Kontext? Welche Relevanz hat die Arbeit, welche Forschungslücke wird zu schließen versucht?
  • Methode und Quellen: Wie ist der:die Autor:in vorgegangen, um die Fragestellung zu beantworten? Welche Methoden wurden angewandt, welche Quellen verwendet?
  • Ergebnisse und ggf. Diskussion: Was sind die wichtigsten Ergebnisse? Welche Anregungen für weitere Forschungen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten?

Im Abstract steht nur, was auch in der Arbeit steht. Es weist keine eigenständige Bewertung oder Schlussfolgerung auf, die nicht im Text der Seminararbeit enthalten ist. Das Abstract ist ein unabhängiger Text. Die Zusammenfassung im Schlusswort der Arbeit hingegen ist inte­graler Teil des Textes und ohne diesen nicht zu verstehen.

Das Inhaltsverzeichnis soll den Aufbau der Arbeit übersichtlich spiegeln. Dementsprechend ist die Arbeit in Kapitel und allenfalls Unterkapitel zu gliedern. In wissenschaftlichen Arbeiten werden für die Textgliederung meist Ordnungszahlen verwendet (sogenannte Dezimalglie­derung), die in einer Seminararbeit selten weiter als zu einer Stelle nach dem Punkt geht (also 1.1, aber nicht 1.1.1). Eine Arbeit gewinnt durch eine klare Gliederung, verliert aber durch eine zu grosse Zergliederung. Die Aufteilung in einzelne Kapitel und Unterkapitel darf den Ge­samttext nicht unnötig zerstückeln. Unterkapitel von weniger als einer halben Seite sind selten sinnvoll.

Die Einleitung enthält folgende, in einer sinnvollen Ordnung thematisierten Elemente:

  • Heranführung an das Thema
  • Einordnung in den historischen Kontext
  • Eingrenzung des Forschungs- und Themenbereiches
  • kurze Umschreibung der Zielsetzung
  • klar formulierte und begründete Fragestellung, die auf das Thema der Arbeit und die analysierte(n) Quelle(n) abgestimmt ist
  • Erläuterung des methodischen Vorgehens
  • evtl. Darlegung des methodisch-theoretischen Ansatzes
  • knappe, themenbezogene Übersicht zum Forschungsstand, zur Quellenlage und zum untersuchten Quellenkorpus
  • evtl. Darlegung und Begründung der Gliederung der Arbeit

Gleichzeitig soll eine Einleitung zum Lesen einladen sowie so knapp wie möglich und so lang wie nötig gehalten sein.

In den anschliessenden Kapiteln erfolgt die problemorientierte und argumentativ stringente Beantwortung der Fragestellung. Dabei sind je nach inhaltlicher Themen- und Problemstel­lung folgende Aspekte zu berücksichtigen und entsprechend zu gewichten:

  • Darlegung des Themas bzw. des Problems und Skizzierung der Ausgangslage
  • Darstellung der Forschungsschritte sowie Erläuterung der Zwischenergebnisse
  • Verarbeitung und Diskussion der Literatur, die für die Problemstellung relevant ist. 
  • Umschreiben des Forschungsstandes zu spezifischen Unterfragen; Erläutern von Positionen innerhalb der Forschungsdiskussion sowie des eigenen Standpunkts
  • Quellenanalyse
  • stringente Argumentation und nachvollziehbare Beweisführung
  • Diskussion der Methoden- und Sachprobleme

Das Schlusswort enthält:

  • Zusammenfassung der wichtigsten Resultate
  • Antworten auf die einleitend gestellten Fragen
  • ggf. Diskussion der Ergiebigkeit der Fragestellung sowie der angewandten Methode
  • ggf. Aufzeigen offener Fragen, möglicher Perspektiven und Thesen für die Weiterarbeit
  • keine neuen Fakten oder Erkenntnisse

Die Bibliographie umfasst alle benützten Quellen und alle konsultierte Forschungsliteratur und ist in ein Quellenverzeichnis und ein Literaturverzeichnis unterteilt – beide in alphabetischer Reihenfolge. Das Quellenverzeichnis ist zusätzlich in ungedruckte Quellen und gedruckte Quellen gegliedert. Unter Umständen ist es von Bedeutung, verwendete Ausgaben einer Quelle zu nennen; auch verwendete Übersetzungen oder Transkriptionen müssen angegeben werden. Werden nicht allgemein bekannte Abkürzungen und Siglen verwendet, ist ein Abkürzungsverzeichnis notwendig.

Layout

Für das Layout einer schriftlichen Arbeit gibt es keine verbindlichen Vorgaben. Der besseren Lesbarkeit halber wird Folgendes empfohlen:

  • Seitenränder links und oben mindestens 3 cm, rechts und unten mindestens 2,5 cm
  • Zeilenabstand von 1 ½ 
  • Zeilenabstand von 1 in Fussnoten sowie in Zitaten im Haupttext, die mehr als drei Zeilen umfassen
  • Schrift mit Serifen (kurze, dünne Linien an Buchstaben und Zahlen), z. B. Times; bei Titeln kann eine Schrift ohne Serife, z. B. Arial, verwendet werden
  • Schriftgrösse im Fliesstext etwa Times 12 Punkt; in Fussnoten und bei längeren Zitaten etwa Times 10 Punkt entsprechen

Zu beachten ist der Unterschied zwischen Halbgeviertstrich (Gedankenstrich) und Binde­strich. Der Bindestrich verbindet Wörter in Zusammensetzungen (1920er-Jahre), trennt Wör­ter am Zeilenende und ergänzt Wörter um ausgelassene Teile (Vor- und Nachteil). Der Halb­geviertstrich ist etwas länger als der Bindestrich. Er wird als Gedankenstrich verwendet: er setzt Pausen und lässt beim Lesen innehalten. Darüber hinaus wird er bei folgenden Angaben verwendet:

  • Von-bis-Angaben: 1959–1973, S. 10–15
  • Minuszeichen
  • runde Geldbeträge 100.– Franken