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Wissenschaftliche Redlichkeit

Eine wissenschaftliche Arbeit enthält immer fremdes Gedankengut, das auch als solches aus­gegeben werden muss. Die Nachprüfbarkeit aller Aussagen ist ein entscheidendes formales Kriterium.

Zitieren und Paraphrasieren ohne Beleg gilt als Diebstahl geistigen Eigentums. In einer wis­senschaftlichen Arbeit dürfen Texte nicht ohne Herkunftsangabe verwendet werden, unab­hängig davon, ob sie gedruckt vorliegen oder in irgendeiner Form digital zugänglich sind. Die Universität Zürich ahndet Plagiate mit rechtlichen Schritten.

Diebstahl geistigen Eigentums ist kein Kavaliersdelikt. Auf der Website der Universitätsbibliothek finden sich detaillierte Hinweise zu verschiedenen Arten von Plagiaten. Ausserdem finden sich Links zu Anleitungen, wie Plagiate vermieden werden können. Jeder fremde Gedanke, d.h. jede These, jedes Argument, jede Interpretation usw. muss genau ausgewiesen werden und mittels einer Fussnote überprüfbar sein. Auch wenn man etwas nicht wortwörtlich so wiedergibt, wie es in der Forschungsliteratur steht, muss der Verweis gemacht werden. Das gilt zum Beispiel auch für:

  • Ideen und Erkenntnisse, auf die man von allein nicht gekommen wäre;
  • Annahmen methodischer, wissenschaftstheoretischer oder philosophischer Art, auf denen das eigene Gedankengerüst zwar aufbaut, die aber ursprünglich nicht dem eigenen Gedankengut entsprungen sind. 

Zu beachten ist zudem die Unterscheidung von geistigem Eigentum und Handbuch- bzw. Le­xikonwissen. So müssen bei unumstrittenen Sachverhalten und Datierungen – wie etwa die Aussagen, dass Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. ermordet wurde oder dass die deutsche Wehr­macht am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulierte – keine Verweise gemacht werden. Wenn man in begründeter Weise anderer Meinung sein kann, wird hingegen eine Fussnote gesetzt. Wer beispielsweise schreibt, dass die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 für die Bevölkerung Deutschlands keine einschneidende Zäsur darstellte, muss belegen, auf welche Forschungsliteratur oder Quellen sich diese Aussage stützt.

Zitat und Paraphrase

Nachweise im Anmerkungsapparat zu verfassen, gehört zum alltäglichen Rüstzeug der wis­senschaftlichen Textproduktion. In Fussnoten wird belegt und nachprüfbar gemacht, welche Aussagen, Argumente und Thesen von anderen übernommen wurden. Dabei wird zwischen Zitaten und Paraphrasen unterschieden. Ein Zitat ist eine wörtliche Textübernahme aus der Literatur oder aus Quellen, während es sich bei einer Paraphrase um die sinngemässe Über­nahme einer Aussage aus der Literatur oder aus Quellen in eigenen Worten handelt.

Die Fussnoten der folgenden Beispiele sollen als Vorlage dafür dienen, wie Fussnoten in wissenschaftlichen Arbeiten am Historischen Seminar aussehen sollen. Im Abschnitt Literaturverzeichnis befindet sich eine Bibliographie, in der die Kurzbelege der Beispiele in den Abschnitten Zitat und Paraphrase  und Anmerkungen in den Fussnoten aufgelöst werden.

Zitat

Es werden zwei Typen von Zitaten unterschieden: das wörtliche Zitat und das Zitat im Zitat.

Wörtliches Zitat

Beim wörtlichen Zitat werden Textstellen wortgetreu übernommen. Das bedeutet auch, dass ältere Schreibungen, Tippfehler und Textformate wie Fett- oder Kursivschreibungen über­nommen werden.

Beispiel

«Die Auflösung der Trennung von sex und gender erfolgte dennoch erst Ende der 1980er Jahre, als Joan Scott mit ihrer Definition eine grundlegende Kritik, aber auch neue Anknüpfungspunkte für die Frauen- und Geschlechtergeschichte lieferte.»1

 

1 Opitz-Belakhal, Geschlechtergeschichte, S. 13.

Manchmal werden wörtliche Zitate in der Form von einzelnen Wörtern oder Satzteilen in den selbstformulierten Text eingebettet. Hier muss besonders auf die grammatikalische Korrekt­heit des so entstandenen Satzes geachtet werden (siehe dazu die Beispiele im Abschnitt Kapitel 15.3).

Einbauen wörtlicher Zitate

Kürzere wörtliche Zitate werden in doppelten Anführungszeichen in den Fliesstext eingebet­tet.

Längere wörtliche Zitate (mehr als ca. drei Zeilen) werden als neuer Absatz eingerückt. Man verwendet dann einen kleineren Schrifttyp und geringeren Zeilenabstand und lässt die An­führungszeichen weg.

Beispiel

Weder Foucaults Ausbildung als theoretischer Psychologe noch seine weitschweifenden und widersprüchlichen Interessen, Lektüren und Arbeiten jener frühen Jahre können in einem simplen Sinne als Ursprung oder kohärenter Ausgangspunkt für seinen späteren Denkweg konstruiert werden. Er scheint vieles ausprobiert und mit theoretischen Konzepten experimentiert zu haben, ohne sich festzulegen.2

 

2 Sarasin, Foucault, S. 17.

Zitate aus zweiter Hand

Textstellen, die man nicht aus dem Original, sondern aus einem anderen Werk übernimmt, nennt man Zitate aus zweiter Hand. Wenn nicht aus dem Originaltext zitiert wird, muss dies in der Fussnote mit dem Vermerk «zitiert nach» (abgekürzt «zit. nach») angegeben werden. Da das Original nicht eingesehen wurde, erscheint es nicht in der Biblio­graphie, die voll­stän­digen bibliographischen Angaben werden in der Fussnote aufgeführt. Weil es wichtig ist, den Gesamtkontext des Textaus­schnitts zu kennen, um das Zitat nicht in einen von den Autor:in­nen nicht intendierten Zu­sammenhang zu stellen, sollte das Zitat aus zweiter Hand nur dann zur Verwendung kommen, wenn das Original nicht zugänglich ist.

Beispiel

«Hält sich dort weiter erstaunlich gut, braucht nicht einmal Schlafmittel. Körperlich rasche Erholung der noch vor wenigen Tagen wie eine Ruine anmutenden Frau.»3

 

3 StAZH, Z 100.48129, S. 34, Eintrag vom 3.1.1955, zit. nach: Meier, Spannungsherde, S. 179.

Zitat im Zitat

Beim Zitat im Zitat wird ein Text zitiert, in dem bereits ein wörtliches Zitat vorhanden ist. Für das Zitat im zitierten Text werden einfache Anführungszeichen gesetzt.

Beispiel

Für die vormoderne Verkehrsgeschichte stellt Marie-Claude Schöpfer Pfaffen fest, dass «rund siebzig Jahre nach Marc Blochs Feststellung noch Forschungsdesiderate in alle Richtungen bestehen, weshalb ‹die klassischen Felder der Verkehrsgeschichte einer umfassenden Erweiterung in sachlicher, zeitlicher und räumlicher Hinsicht› bedürfen.»4

 

4 Schöpfer Pfaffen, Verkehrspolitik, S. 17.

Paraphrase

In Paraphrasen wird ein anderer Text sinngemäss referiert und in eigenen Worten zusammen­gefasst. Werden einzelne Sätze oder Absätze paraphrasiert, müssen diese umformuliert werden. Wer in einer Paraphrase einen Satzteil oder einzelne Begriffe (also nicht Wörter wie «und» oder «sind») wörtlich übernimmt, muss diese als Zitat ausweisen. Ansonsten handelt es sich um ein Plagiat.

Beispiel

Der kanadische Mittelalterhistoriker Kriston R. Rennie vermutet in seiner 2010 veröffentlichten Monographie zu Hugo von Die, dass Gerald den jungen Kleriker davor schon gekannt haben könnte und dessen Wahl von langer Hand geplant habe.5 Da der Kardinallegat vor seiner Karriere an der Kurie schon über Verbindungen zum burgundischen Raum verfügt hatte, wirkt diese Vermutung durchaus plausibel.

 

5 Rennie, Law, S. 28f.

Zwischen der paraphrasierten Aussage und dem eigenen Standpunkt sollte klar unterschie­den werden, etwa durch indirekte Rede oder durch die Nennung des:der paraphrasierten Au­tor:in im Haupttext. Zudem sind alle Paraphrasen einzuordnen und zu kommentieren.

Paraphrasieren bedeutet also nicht, von anderen Autor:innen abzuschreiben. In diesem Zu­sammenhang ist besonders auf sogenannte Übersetzungsplagiate zu achten. Damit ist die pa­raphrasierte Übersetzung eines fremdsprachigen Textes ohne Beleg gemeint.

Besonderheiten

Textänderung in Zitaten

Veränderungen im zitierten Text dürfen die Aussage eines zitierten Texts nicht verändern. Auslassungen in einem Zitat werden durch eckige Klammern mit drei Punkten [...] markiert.

Beispiel
Nach Burkhard Meissner ist das Bild der Piraten in den Liebesromanen der Kaiserzeit «einerseits widersprüchlich und andererseits märchenhaft überhöht [...].»6

 

6 Meissner, Kidnapping, S. 22.

Hinzufügungen, etwa um den zitierten Text grammatikalisch in den eigenen Satz einzufügen, werden ebenfalls in eckigen Klammern geschrieben.

Beispiel
Auf die Einführung der parlamentarischen Monarchie im Deutschen Reich am 30. September 1918 folgte mit den Worten Michael Horns eine Phase der «fortschreitende[n] Erosion des monarchischen Prinzips».7

 

7 Horn, Abdankung, S. 275.

Besondere Stellen und (Druck-)Fehler 

Anpassungen von Textformaten müssen ebenfalls durch einen Kommentar in eckigen Klam­mern markiert werden, zum Beispiel durch [im Original nicht kursiv].

Beispiel
Bereits Meissner hat in seiner Studie hervorgehoben, dass «Piraterie [im Original nicht kursiv] in der griechischen Antike […] eine Begleiterscheinung von nicht funktionierender Staatlichkeit» gewesen ist.8

 

8 Meissner, Kidnapping, S. 21.

 Auf besondere Stellen im zitierten Text oder auf Fehler kann man mit [sic!] (von lat. sic erat scriptum, «so stand es geschrieben») hinweisen.

Beispiel
Nach Theodor Nöldeke müssen die Häupter der Sekte der Mazdakiten trotz allem Idealismus «Vorwände genug gefunden haben, einstweilen noch persönliches Eigenthum [sic!] zu sammeln.»9

 

9 Nöldeke, Mazdak, S. 466.

Originalsprache

Zitate werden im Haupttext in der Originalsprache zitiert, wenn der:die Verfasser:in die Spra­che versteht und man davon ausgehen kann, dass das Zielpublikum das Zitat ebenfalls ver­steht. Bei Zitaten in Sprachen, die der:die Verfasser:in nicht beherrscht und die beim Zielpub­likum nicht vorausgesetzt werden können, sollte im Fliesstext eine Übersetzung und in den Fussnoten das Originalzitat angegeben werden.

Arbeitet man mit der Übersetzung einer Quelle, verweist man in deren ersten Nennung in der Fussnote zuerst auf die kritische Edition und dann auf die Übersetzung. Zudem müssen so­wohl die kritische Edition als auch die Übersetzung im Quellenverzeichnis aufgeführt werden.

Checkliste für das Zitieren und Paraphrasieren

Folgende Fragen müssen beim Zitieren und Paraphrasieren geklärt werden:

  • Wann braucht es ein Zitat, wann reicht eine Paraphrase? Bei jedem Zitat und jeder Paraphrase sollte klar sein, welche Funktion es bzw. sie für den Text hat. Zitate werden meistens verwendet, wenn der originale Wortlaut oder der Satzbau zentral für die eigene Analyse sind. Für viele Argumentationen und Absicherungen reichen Paraphrasen hingegen.
  • Erfüllt der zitierte Text die wissenschaftlichen Qualitätskriterien? Besonders bei Zitaten aus Quelleneditionen oder Klassikern sollte sichergestellt werden, dass es sich um eine wissenschaftliche Textausgabe – am besten sogar um eine historisch-kritische Edition – handelt und nicht um einen aufbereiteten Text.

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