Frühe Neuzeit und Sattelzeit

Zürcher Forschungen zur Frühen Neuzeit und zur Sattelzeit

Anna Dorothea Therbusch: Selbstbildnis (1782)

Frühe Neuzeit und Sattelzeit sind in der Geschichtsschreibung Bezeichnungen für die Zeit von 1500-1800 und von 1750 bis 1850. Je nach historiografischer Tradition werden diese Zeiträume unterschiedlich eingegrenzt. Sattelzeit ist eine Bezeichnung, die in der deutschsprachigen Forschung den Übergang von der Vormoderne in die Moderne spezifisch in die Zeit von 1750 bis 1850 verortet.
Die englisch- und romanischsprachige Forschung hingegen spricht von „histoire moderne“ oder „early modern history“ und meint hiermit in der Regel die Zeit von der Renaissance bis zum Ende jeweiliger Dynastien, d.h. die Mitte des 15. bis zur Mitte des 17. oder dem Ende des 18. Jahrhunderts. Diese Einteilungen stammen aus der europäischen Geschichtsschreibung und sind für aussereuropäische Entwicklungen nur teilweise zutreffend.

Der Zeitraum von 1450 bis 1850 umfasst fundamentale, globale Entwicklungen. Die Formen des Zusammenlebens, des Wirtschaftens und der Herrschaftsausübung ebenso wie die Ordnungen des Wissens, die medialen Grundlagen der Kommunikation und die Welt- und Selbsterfahrung der Menschen veränderten sich wesentlich: Europa begegnete mit den Entdeckungsfahrten bislang unbekannten Welten und lernte fremde Kulturen sowie neue Produkte wie die Kartoffel oder den Kakao kennen. Aus Astrologie und Esoterik entwickelten sich zusammen mit anderen Naturphilosophien die Grundlagen heutiger Naturwissenschaften. Neue Medien wie Flugblätter und Zeitungen beeinflussten die Verbreitung religiöser und politischer Bewegungen. Soziale Normen wie etwa das Rollenverständnis von Frauen und Männern wandelten sich.

Die Zürcher Forschungen zur Frühen Neuzeit und zur Sattelzeit behandeln diese beispielhaft genannten Veränderungen unter vielfältigen thematischen und methodischen Aspekten in multidisziplinärer, kulturwissenschaftlicher Perspektive (Historische Anthropologie, Linguistik, Kirchen-, Kultur-, Kunst- und Rechtsgeschichte wie Literatur- und Medienwissenschaften). Das Lehrangebot deckt den Zeitraum von 1450 bis 1850 in seiner ganzen Breite ab.