Herbst 2012

General Ulrich Wille: Oberbefehlshaber und Gnadenherr der Schweizer Armee 1914 - 1918

General Ulrich Wille ist in der schweizerischen Historiographie sehr umstritten. Als Reorganisator und Reformer der Schweizer Armee ist sein Wirken sehr gut untersucht, nicht aber sein Wirken als General, d.h. Oberbefehlshaber der Schweizer Armee 1914-18. Im Gegensatz zu Guisan hatte er nicht heikle strategische und operative Problemlagen zu lösen, sondern einen Neutralitätsschutzdienst zu führen, der sich unter zunehmend schlechter werdenden Bedingung über vier Jahre dahinzog. Auch unter diesen Bedingungen waren ihm die Aufrechterhaltung der Führungsautorität der Offiziere und die Kampffähigkeit der Soldaten oberstes Leitziel. Dies musste zu Zerreissproben und Konflikten führen, die sich unter anderem in Tausenden von Militärjustizfällen zeigten. Als oberster Gnadenherr hatte Wille auch alle Begnadigungsgesuche zu behandeln. Im Seminar sollen primär die Denk- und Handlungsmuster des Oberbefehlshabers von der Mobilmachung bis zum Ordnungsdiensteinsatz der Armee im Zusammenhang mit dem Landesgeneralstreik im November 1918 analysiert werden.

Literaturhinweis: Hans Rudolf Fuhrer/Paul Meinrad Strässle (Hg): General Ulrich Wille. Vorbild den einen - Feindbild den andern, Zürich 2003.

Das Seminar ist in drei Sequenzen aufgeteilt:
(1) Thematische Grundlagenlektüre
(2) Archivbesuche, Quellenlektüre und methodisch- theoretische Texte
(3) Präsentation Seminararbeitsprojekte.