Frühlingssemester 2016

Prof. Dr. Simon Teuscher

FS 2016

325 Vorlesung Geschichte des Mittelalters: Geschichte der Schweiz vom Hochmittelalter bis ca. 1400

Vorlesung
Donnerstag, 10:15-12:00 Uhr
KOL-F-117

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher

Inhalt

DDie Vorlesung führt in die Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte des Raums der heutigen Schweiz zwischen 1200 und 1400 ein. Die Alte Eidgenossenschaft und ihre Orte sind dabei Akteure neben anderen. Die Vorlesung bezieht systematisch auch die adligen und geistlichen Herrschaften, den romanischen Westen und Süden der heutigen Schweiz und die transregionalen Verflechtungen ein. Thematische Schwerpunkte bilden Prozesse, die in der Forschung der letzten Jahre intensiv diskutiert worden sind: die Verräumlichung von Herrschaft in Kommunen und Territorien, Migrationsphänomene, die Ausbildung neuer ökologischer Systeme der Landschaftsnutzung und marktorientierter Wirtschaftsformen, die Rekonfiguration von Familien- und Geschlechterbeziehungen oder das Aufkommen neuer Formen der Frömmigkeit und die Verschriftlichung. Ausserdem werden einige altbekannte politische Ereignisse (Interregnum, Ermordung König Albrechts, die Beschwörung von Bundesbriefen, Morgarten, Sempach etc.) auf ihre Bedeutung für Wandlungsprozesse hin untersucht und Forschungsprobleme an Quellenbeispielen veranschaulicht. Die Vorlesung schliesst an jene vom letzten Herbstsemester zum Zeitraum zwischen 1415 und 1515 an und geht zeitlich einen Schritt weiter zurück.

035 Bachelorseminar: Migration als Element der Adelskultur

Seminar
Dienstag, 10:15-12:00 Uhr
KOL-G-220

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher

Inhalt

Ein modernes, am Nationalstaat orientiertes Verständnis der Gesellschaft verleitet dazu, Migration einseitig mit prekären Lebensbedingungen und mit Herausforderungen der sozialen Stabilität zu verbinden. Bei der Beschäftigung mit dem Mittelalter treten ganz andere Assoziationen in den Vordergrund. Hier erscheint Migration nicht zuletzt als grundlegendes Verhaltensmuster von Eliten. Für die Lebensläufe mittelalterlicher Adliger war es geradezu kennzeichnend, sich an ausgedehnten Kriegszügen zu beteiligen, zwischen Höfen hin und her zu reisen und über weite Distanzen hinweg Verwandtschaftsbeziehungen zu pflegen. Das Migrationsverhalten gehörte zu individuellen Erfolgsstrategien – zugleich war die räumliche Verteilung Bestandteil der Familienorganisation und Voraussetzung für das Funktionieren vornationaler politischer Ordnungen. Das Seminar untersucht solche Phänomene im Lichte aktueller geschichtswissenschaftlicher Debatten über transnationale Dimensionen gesellschaftlicher Ordnungssysteme, Funktionsweisen von Kulturtransfers sowie Lebensbedingungen von Migranten.

Proseminar 3, Gruppe 4

Seminar
Dienstag, 14:00-15:45 Uhr
KO2-F-155

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher

Geschichtskontor

Doktorandenseminar
Dienstag, 16:15-18:00 Uhr, ab 01.03
KOL-G-203

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Gesine Krüger, Simon Teuscher, Monika Dommann, Martin Dusinberre

Inhalt

Die Geschichtsschreibung ist eine erzählende Wissenschaft, Texte bilden die Währung der Geschichtswissenschaft und das Medium Buch steht bis heute im Zentrum der Historiographie. Das Geschichtskontor ist ein epochen- und regionenübergreifendes Doktorandenseminar, das allen Interessierten des Historischen Seminars offen steht. Wir schaffen damit einen Raum für die Reflexion über das heuristische Potential historiographischer Narrationen und lancieren ein Forum für den Austausch zwischen unterschiedlichen Feldern der Geschichtswissenschaft. (Zu den zentralen Themen gehören u.a. die historische Auseinandersetzung mit Medien, materiellen Kulturen, Güterzirkulationen und Beziehungskulturen sowie theoretische Fragen nach der Erzählbarkeit historischer Entwicklungen nach der postkolonialen Kritik an den Modernisierungstheorien.) Neben den Doktorierenden sind auch etablierte Historikerinnen, historische Autoren und Filmemacherinnen aufgefordert, ihre Entwürfe im geschlossenen Rahmen des Geschichtskontors zur Diskussion zu stellen. Das Geschichtskontor beruht auf dem Prinzip der Diskussion von "pre- circulated papers"; die vorgängige Lektüre dieser Texte ist Voraussetzung der Teilnahme.

Master- / Doktoratskolloquium (Teuscher)

Kolloquium
Donnerstag, 16:15-18:00 Uhr, ab 03.03
KO2-F-155

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher

FoKoll Programm FS16

test

Lehrstuhl Mitarbeitende

FS 2016

122 Proseminar 2: Nähe und Ferne - Einführung in die Geschichte von Raum und Kommunikation

Seminar
Mittwoch, 10:15-12:00 Uhr
KOL-G-203

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Julia Heinemann

Inhalt

Im Zuge der Globalisierung und der Beschleunigung der Kommunikation ist heute die Rede von der Auflösung alter, bspw. nationalstaatlicher Grenzen und der Konstituierung neuer (Kommunikations-)Räume zum Allgemeinplatz geworden. Im Gegensatz dazu nehmen wir häufig an, dass im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit die Menschen im „Schneckentempo" kommuniziert und selten mehr als ihr eigenes Dorf zu Gesicht bekommen hätten. Im Proseminar 1 und 2 werden wir uns mit dem Wandel und Verhältnis von Raum und Kommunikation in der Geschichte auseinandersetzen, an Debatten zum „spatial turn" in der Geschichtswissenschaft anknüpfend. Wir gehen von der Annahme aus, dass Nähe und Ferne zwar Kommunikation strukturieren, Räume jedoch zugleich erst kommunikativ geschaffen werden. Wir fragen danach, welche Arten von Räumen es in der Geschichte gab, wie Räume wahrgenommen und konstruiert, wie mit Nähe und Ferne umgegangen wurde und wie Räume kommunikative Praktiken prägten: Wer hatte Zugang zu Räumen? Wie und wo wurden Grenzen gezogen und bestritten? Welche Rolle spielten Geschwindigkeit und Mobilität? Wie änderten sich Räume in der Zeit, warum bleiben manche scheinbar gleich? Und schliesslich: Gibt es spezifische mittelalterliche, frühneuzeitliche und moderne Raumwahrnehmungen und Kommunikationsformen? Im Rahmen dieser Themen soll das Basismodul mit grundlegenden Werkzeugen und Methoden historischen Arbeitens vertraut machen. Im Proseminar 1 üben wir gemeinsam die Literaturrecherche und die kritische Lektüre wissenschaftlicher Texte. Im Proseminar 2 wird es um den Umgang mit Quellen, die Formulierung relevanter Fragestellungen und die Präsentation und Abfassung eigener wissenschaftlicher Arbeiten gehen.

135 Ad fontes: Handschriften lesen und historisch erforschen

Kolloquium
Mittwoch, 14:00-15:45 Uhr
SOE-F-1

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Nathalie Büsser

Inhalt

Ad fontes! – In diesem Kolloquium geht es um Quellen und was wir HistorikerInnen mit ihnen tun können. Gerade vormoderne Quellen kommen selten so rein und klar daher, wie der wissenschaftliche Fachbegriff suggeriert. Meist sind sie sperrig und schwer zugänglich, in einer uns fremden Schrift und teilweise auch Sprache abgefasst. Wer mit schriftlichen Überresten arbeiten, sie befragen und interpretieren will – kurz: wer Geschichte wissenschaftlich betreiben will –, muss über ziemlich viele Werkzeuge und Techniken verfügen. Ebendiese vermittelt die Veranstaltung. Wir werden uns im Kolloquium schwergewichtig mit Handschriften beschäftigen, die wir lesen, transkribieren und bearbeiten. In diesem Zusammenhang kommen auch die Materialität, Herstellung, Gebrauch und Überlieferung von Schriftstücken zur Sprache. Darüber hinaus führt die Veranstaltung auch in die Archivarbeit ein. Es besteht die Möglichkeit, das Kolloquium mit dem BA-Seminar „Migration als Element der Adelskultur" von Simon Teuscher zu kombinieren: TeilnehmerInnen des Seminars können im Kolloquium Archivalien transkribieren, die sie dann in ihrer Seminararbeit behandeln. Die anderen TeilnehmerInnen des Kolloquiums bearbeiten thematisch unterschiedliche Dokumente aus dem Raum der vormodernen Deutschschweiz. Die Vorbereitung der einzelnen Sitzungen erfolgt unter anderem über die Website „Ad Fontes" (http://www.adfontes.uzh.ch/1000.php), während in den Sitzungen selbst die Arbeit mit den Dokumenten im Vordergrund stehen wird.

139 "Pergament und Internet": Digitale Auswertung mittelalterlicher Quellen

Kolloquium
Montag, 12:15-15:45 Uhr, alle 14 Tage
KOL-F-103

Vorlesungsverzeichnis OLAT-Kurs

Dozierende

Tobias Hodel

Inhalt

Die genaue und kritische Analyse und Einordnung von "Quellen" ist ein Kernbereich der Geschichtswissenschaft. Die zunehmende Digitalisierung von Quellen, Archivinformationen und Metadaten erlaubt neue Formen und Möglichkeiten der Auswertung. Neben hermeneutischem "close reading" einzelner Stücke werden quantitative Zugriffe auf „Daten" möglich, das „distant reading" hält Einzug in die Geisteswissenschaften. Ziel des Kolloquiums ist es, anhand (selbst) aufbereiteter Daten rechnergestützte Auswertungs-, Analyse- und Visualisierungsschritte vorzunehmen. Dabei soll immer kritisch reflektiert werden, was überhaupt unsere Daten sind, welche Vor- und Nachteile den gewonnen Analysen innewohnen, und inwiefern Visualisierungen aufschlussreich und sinnvoll sind. Das Fruchtbarmachen von digitalisierten und digitalen Texten ist ein zentraler Ansatz der digital humanities, der im Kolloquium ausgetestet und kritisch reflektiert wird. Die Lehrveranstaltung wird teilweise in Zusammenarbeit mit Projekten, welche sich mit der Aufbereitung und Bereitstellung von digitalisierten Materialien beschäftigen, ausserhalb der Universität Zürich stattfinden.

Unterrichtsmaterialien

Guerreau, Alain, ‘Textus Chez Les Auteurs Latins Du 12e Siècle’, in: Textus im Mittelalter: Komponenten und Situationen des Wortgebrauchs im Schriftsemantischen Feld, Hg. von Ludolf Kuchenbuch and Uta Kleine (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2006), S. 149–178. Haber, Peter, Digital Past: Geschichtswissenschaft im Digitalen Zeitalter (München: Oldenbourg, 2011). Michel, Jean-Baptiste, Aviva Presser Aiden, et al., ‘Quantitative Analysis of Culture Using Millions of Digitized Books’, Science, 331 (2011), S. 176–82. Moretti, Franco, Distant Reading (London: Verso, 2013).