Herbstsemester 2014

Lehrveranstaltungen im Herbstsemester 2014

HS 2014

Probleme der Wirtschaftsgeschichte

Vorlesung
Montag, 14:00-15:45 Uhr
KOL-H-317

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Jakob Tanner, Simon Teuscher, Ulrich Woitek, Tobias Straumann

Inhalt

Die Wirtschaftsgeschichte hat durch die Finanzmarktkrise von 2007/08 und die daran anschliessende Krise der Eurozone an Bedeutung gewonnen. Fragen nach gesellschaftlichen Ermöglichungsbedingungen für wirtschaftliches Wachstum, nach der Funktionsweise von Märkten und den Auswirkungen sozialer Ungleichheit werden in der historischen Forschung auf neue Weise gestellt und mit quantitativen und qualitativen Methoden angegangen. Die Vorlesung gibt eine breite, problemorientierte Einführung in das wirtschaftsgeschichtliche Themen- und Theoriespektrum und konkretisiert dieses mit Beispielen.

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweise: North, Douglass C.: Institutions, Institutional Change and Economic Performance, Cambridge, New York 1990. -- Braudel, Fernand: Die Dynamik des Kapitalismus, Stuttgart 1991. -- Hodgson, Geoffrey M.: How economics forgot history: the problem of historical specificity in social science, London 2002. -- Acemoglu, Daron/Robinson, James A.: Why nations fail: the origins of power, prosperity and poverty, New York 2012. -- Halbeisen, Patrick/Müller, Margrit/Veyrassat, Béatrice (Hg.): Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert, Basel 2012.

Fleisch und Blut. Verwandtschaft und Vererbung vor der Genetik

Seminar
Dienstag, 10:15-12:00 Uhr
SOE-E-1

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher

Inhalt

Geteiltes Fleisch, gemeinsames Blut, physische Ähnlichkeit und gleiche Gene: Die Frage, was Verwandtschaft eigentlich bedeutet und was Verwandte verbindet, bleibt brisant. In aktuellen Debatten über Gentechnologie, künstliche Reproduktion oder Vaterschaftstests, aber auch über die Herausforderungen des Erbrechts durch neue Familienformen werden herkömmliche Verwandtschaftskonzeptionen auf die Probe gestellt – und erweisen sich doch oft als beharrlich. Im Seminar befassen wir uns mit der Geschichte westlicher Verwandtschaftskonzeptionen, an denen sich schon im Mittelalter heftige Debatten entzündeten. In Anlehnung an die Methodik der «New Kinship Studies» in der Kulturanthropologie gilt unser Interesse vor allem verschiedenen historischen Vorstellungen über die körperlichen Substanzen, die Verwandte teilen. Dabei erscheint die starke Betonung des Bluts («Blutsverwandtschaft», «Blutsschande», «reines Blut») als europäische Besonderheit. Diese bildete sich am Ende des Mittelalters aus und löste ältere Ideen über Verwandtschaft als Gemeinschaft im Fleisch ab. Inwiefern dieser Prozess mit dem Aufkommen neuer Vorstellungen wie der „Rasse", der Vererbbarkeit von Eigenschaften und Rechten und von durch Abstammung definierten Ständen zusammenhing, wird ein zentrales Thema des Seminars sein.

Markt, Handel und Transit im Raum Zürich-Zentralschweiz in der Vormoderne

Seminar
Montag, 16:15-18:00 Uhr
SOE-E-1

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Thomas Meier

Inhalt

Die städtische, teils auch die ländliche Bevölkerung der Vormoderne war auf die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs und besonders mit Rohwaren oder Halbfertigprodukten für die Weiterverarbeitung angewiesen, die nicht vor Ort produziert werden konnten oder vorhanden waren. Wie die entsprechenden Bedürfnisse, sei dies nach Nahrungsmitteln, sei dies nach gewerblichen Produkten oder Rohstoffen im lokalen, regionalen und überregionalen Rahmen gedeckt wurden, soll im Seminar anhand von Quellen aus dem Raum Zürich–Zentralschweiz nachgegangen werden. Dabei interessieren die fassbaren Produkte wie Wein, Korn, Salz, Textilien oder Metalle ebenso wie die Märkte, auf denen sie angeboten, der Handel, der mit ihnen getrieben, und die Routen zu Land und Wasser, auf denen sie transportiert wurden, schliesslich aber auch die involvierten Akteure und die institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen sich Markt, Handel und Transit in der Vormoderne abspielten. Das BA-Seminar ist mit Archivbesuchen verbunden und bietet Interessierten die Chance, mit ungedruckten Quellen zu arbeiten.

Proseminar 1: Einführung in die Geschlechtergeschichte

Seminar
Montag, 16:15-18:00 Uhr08.12, 15.12, jeweils 18:15-19:45 Uhr
KOL-H-322

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Peter Dürmüller

Inhalt

Die Geschlechtergeschichte hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus der Frauengeschichte entwickelt. Die traditionell vernachlässigte/unterdrückte historische Perspektive auf die Frau hat die Geschlechtergeschichte nicht ersetzt, aber um die Frage nach der Beziehung der Geschlechter und überhaupt um die Geschichte der Geschlechterrollen und -identitäten ergänzt. Die umstrittene Unterscheidung zwischen einem natürlichen (sex) und einem kulturellen Geschlecht (gender) steht dabei ebenso im Fokus ihrer Untersuchungen wie die Frage nach der Geschlechtertrennung als sozialem Faktor, der sich auf die Organisation der Gesellschaft und die Verteilung von Macht, Ressourcen, Zuständigkeiten etc. auswirkt. Im Proseminar lesen wir Schlüsseltexte der Geschlechtergeschichte und analysieren Quellen aus verschiedenen Epochen.

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweis: Opitz-Belakhal, Claudia: Geschlechtergeschichte, Frankfurt/New York 2010.

Proseminar 2: Recht und Verbrechen

Seminar
Mittwoch, 10:15-12:00 Uhr
KO2-F-155

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Tobias Hodel

Inhalt

Geltende Normen und mögliche Normverstösse sind eng mit gesellschaftlichen Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen verbunden. Ob ein bestimmtes Verhalten als „kriminell" bezeichnet wird und ob eine Handlung ein Verbrechen darstellt, hängt vom spezifischen historischen, kulturellen und geographischen Kontext ab, in dem diese beurteilt werden. Akteure werden je nach Situation zu Verbrechern, Delinquenten oder Kriminellen und können nur über spezifische Verfahren von ihrer Schuld befreit werden (oder auch nicht). Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Grenze zwischen Recht und Verbrechen nicht immer eindeutig, sondern oft variabel und fliessend war. Im Proseminar möchten wir den historischen Wandel von Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und nach den spezifischen Arten von „Verbrechen" fragen, die damit verknüpft waren. Anhand einzelner Themenfelder werden administrative Prozesse, juristische Strafverfahren, aber auch Formen kultureller und sozialer Ausgrenzung besprochen, die Aufschluss über konkrete Machtverhältnisse geben. Hierzu werden verschiedene Herangehensweisen sowie Werkzeuge und Methoden vorgestellt, mit denen Historikerinnen und Historiker arbeiten. Dabei setzen wir uns kritisch mit wissenschaftlichen Texten und historischen Quellen auseinander und verfassen eigene Texte.

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweis: Schwerhoff, Gerd: Historische Kriminalitätsforschung, Frankfurt, New York 2011 (Historische Einführungen 9).

Geschichtskontor

Doktorandenseminar
Dienstag, 16:15-18:00 Uhr, 23.09 bis 02.12
SOE-F-2

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Gesine Krüger, Simon Teuscher, Monika Dommann

Inhalt

Die Geschichtsschreibung ist eine erzählende Wissenschaft, Texte bilden die Währung der Geschichtswissenschaft und das Medium Buch steht bis heute im Zentrum der Historiographie. Mit dem Geschichtskontor eröffnen wir ein epochen- und regionenübergreifendes Doktorandenseminar, das allen Interessierten des Historischen Seminars offen steht. Wir schaffen damit einen Raum für die Reflexion über das heuristische Potential historiographischer Narrationen und lancieren ein Forum für den Austausch zwischen unterschiedlichen Feldern der Geschichtswissenschaft. (Zu den zentralen Themen gehören u.a. die historische Auseinandersetzung mit Medien, materiellen Kulturen, Güterzirkulationen und Beziehungskulturen sowie theoretische Fragen nach der Erzählbarkeit historischer Entwicklungen nach der postkolonialen Kritik an den Modernisierungstheorien.) Neben den Doktorierenden sind auch etablierte Historikerinnen, historische Autoren und Filmemacherinnen aufgefordert, ihre Entwürfe im geschlossenen Rahmen des Geschichtskontors zur Diskussion zu stellen. Das Geschichtskontor beruht auf dem Prinzip der Diskussion von "pre- circulated papers"; die vorgängige Lektüre dieser Texte ist Voraussetzung der Teilnahme.

Ad Fontes

Kolloquium
Dienstag, 14:00-15:45 Uhr
SOE-F-7

Vorlesungsverzeichnis OLAT-Kurs

Dozierende

Claudia Moddelmog

Inhalt

Das Kolloquium führt in Arbeitstechniken ein, die nach einer jahrzehntelangen Trennung von Geschichtswissenschaft und Editionsprojekten wieder an Stellenwert für historisches Arbeiten gewinnen. Wir wissen (wieder), dass wir unser hauptsächliches Material – die historischen Dokumente – als konkrete Objekte behandeln müssen. Dafür gilt es, die Aufmerksamkeit auf die zeitgenössischen Schriften, das (Be-)Schreibmaterial und das „Layout" der Schriftstücke zu richten. Wer das Kolloquium mit dem BA-Seminar „Verliebt, verlobt, verwitwet. Handlungsräume von Witwen in Zürich vor und nach der Reformation" kombiniert, kann Archivalien aus dem Staatsarchiv Zürich lesen. Andere Teilnehmende bearbeiten Dokumente aus dem einstigen Kloster Königsfelden, deren Erforschung eine Ausstellung des Museums Aargau im Jahr 2015 vorbereiten helfen soll und die in einer geplanten Online-Edition des Staatsarchivs Aargau (mit den Namen der studentischen BearbeiterInnen) veröffentlicht werden. Geplant ist eine Exkursion zu den erwähnten Museen und Archiven, die (auch) von den Teilnehmenden selbst organisiert wird. Insgesamt wird so der Einblick in zwei Berufsfelder möglich, zu denen das Studium der Geschichte hinführen kann. Die Vorbereitung der einzelnen Sitzungen erfolgt vornehmlich über die Website „Ad Fontes" (http://www.adfontes.uzh.ch/1000.php), während in den Sitzungen selbst die (Unterstützung bei der) Transkription den grössten Raum einnehmen wird.

Master- / Doktoratskolloquium (Höfert/Sandl/Teuscher)

Kolloquium
Donnerstag, 16:15-18:00 Uhr, ab 02.10
KO2-F-153

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Simon Teuscher, Almut Höfert, Marcus Sandl