NF-Projekt: «Ländliche Gemeinden und Adel im innerschweizerischen Raum 1250-1350»

2004-2005

Leitung: Prof. Dr. Roger Sablonier
Adresse: Karl Schmid-Str. 4, CH-8006 Zürich
Telefon: +41 (0)1 634 38 56
Fax: +41 (0)1 634 49 13

Anschrift des Projekt-Mitarbeiters

Dr. Michael Mente
Büro 250, Tel. 01/634 38 52
E-Mail michael.mente@access.uzh.ch

Projektbeschrieb

Die Schweizer Historiographie hat sich stets für die Innerschweiz um 1300 interessiert. Zur Diskussion stand allerdings fast ausschliesslich die früheidgenössische politische Entwicklung in diesem Raum. Seit dem 16. Jahrhundert (Etterlin, prägend Tschudi) und dann besonders seit dem 18. und 19. Jahrhundert wurde die Innerschweiz als der politisch-territoriale «Kern» begriffen, aus welchem sich die nachmalige Eidgenossenschaft und schliesslich die heutige Schweiz entwickelten. Die damit verbundene, bis heute nachwirkenden Vorstellungen einer «Staatsgründung» autonomer Gemeinden sind mittlerweile gut erforscht. Im Gegensatz zu den «eidgenössischen» Aspekten von Innerschweizer Geschichte um 1300 sind zu den tatsächlichen politischen und verfassungsmässigen Verhältnissen an Ort und Stelle, das heisst unter regionalgeschichtlicher Perspektive, in den letzten Jahrzehnten nur wenige Erkenntnisfortschritte erzielt worden.

Das einer modernen Regional- beziehungsweise Landesgeschichte verpflichtete Projekt zielt entsprechend darauf ab, den um 1300 stattfindenden Herrschaftswandel - um einen solchen handelt es sich sowohl aus regionaler wie aus allgemeiner Sicht - zu untersuchen. Dazu müssen die massgeblichen politischen Kräfte in ihrem wechselseitigen politisch-sozialen Zusammenhang betrachtet werden. Zu diesen Kräften zählen neben den Kommunen die Landesherrschaft, der lokale und regionale Adel sowie geistliche Herrschaftsträger. Entgegen allgemeinen Vorstellungen spielt der Adel in der politischen Entwicklung des Raums eine tragende Rolle, eine Rolle überdies, die weit über 1400 wichtig bleibt. Das besondere Augenmerk gilt daher dem adelsherrschaftlichen Substrat der innerschweizerischen «Länder».

Die intendierte Untersuchung bedingt eine konsequente Neulektüre der schriftlichen Überlieferung. Dabei müssen auch die neuen Analysekriterien aus der sogenannten Schriftlichkeitsdiskussion systematisch eingebracht werden.

Im Projekt überlagern und ergänzen sich die unterschiedlichen Forschungsbereiche Adel und Adelsherrschaft, Regionalgeschichte beziehungsweise Struktur und wandel ländlicher Gesellschaft sowie Verschriftlichung als sozialer und politischer Wandel.