Interview Nicolas Hächler
Prosopographie in Forschung und Lehre - auch digital (Nikolas Hächler)
Christine: Stelle dich bitte kurz vor. Wer bist du, welche Position hast du am Historischen Seminar inne und wo liegt Dein Fokus in Forschung und Lehre?
Nikolas: Mein Name ist Nikolas Hächler und ich bin aktuell am Historischen Seminar im ERC-Projekt «The Just City» tätig. In diesem Projekt geht es darum zu untersuchen, welche Vorstellungen Cicero von «Gerechtigkeit» hatte und wie diese Vorstellungen rezipiert worden sind. Mehrere Personen sind am Projekt beteiligt. Meine Aufgabe besteht darin zu analysieren, wie christliche Kirchenväter die Schriften Ciceros gelesen und seine Gerechtigkeitsvorstellungen verstanden und neu interpretiert haben.
Ich habe hier in Zürich von 2007 bis 2012 Allgemeine Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften studiert. Danach habe ich zwischen 2013 und 2017 unter der Leitung von Anne Kolb meine Dissertation zur Zusammensetzung, Funktion und Bedeutung des römischen Senatorenstandes verfasst. Ich war Assistent am Historischen Seminar bei Beat Näf und hatte dann die Möglichkeit, an verschiedenen Universitäten im Ausland zu meinem Habilitationsprojekt zu forschen. Dabei ging es um die Herrschaft des oströmischen Kaisers Herakleios in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. In diesem Projekt habe ich mich auf Resilienz und Vulnerabilität des spätrömischen Staatswesens konzentriert. Ich habe mich gefragt, wie man Resilienzressourcen generieren kann und was die Vulnerabilität eines Staatswesens ausmacht. Meine Habilitation erfolgte dann im letzten November.
Christine: Sehr schön, vielen Dank. Du bist auch in der Lehre tätig. Willst du uns verraten, was Du lehrst?
Nikolas: Ja, sicher. Ich lehre sehr gerne – damit bin ich unter den Dozierenden am HS aber nicht allein (lacht). Für mich ist wichtig, dass Forschung und Lehre miteinander in Zusammenhang gebracht werden. Das bedeutet für mich, dass ich an einem Forschungsthema arbeite, beispielsweise an Gerechtigkeitsvorstellungen in der Geschichte und dann in der Lehre entsprechende Thematiken mit Studierenden angehe. Ich möchte Lehre gerne so verstehen, dass sich Studierende selbst an die Thematiken heranwagen, dann selbstständig arbeiten und zu forschen beginnen. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Methoden des forschenden Lernens; d.h. man sagt, wir haben jetzt ein Thema, jetzt versuchen wir selbstständig und gleichzeitig unter Anleitung im Rahmen gemeinsamer Diskussionen, eine Fragestellung zu entwickeln, ein Quellenkorpus systematisch zu erschliessen, die Forschungslandschaft zu erkunden und dann nach und nach eine wissenschaftliche Arbeit daraus zu entwickeln. Ich finde, das macht Spass. Ich habe auch gute Rückmeldungen dazu erhalten. Das ist für mich wichtig.
Christine: Ich glaube auch, dass Studierende davon vielseitig profitieren können, für alles, was im späteren Studium kommt. Das Digital History Lab versucht im Rahmen der Lehrveranstaltungen auch den Ansatz zu verfolgen, dass man sich an kleinen «echten» Studierendenprojekten selbst etwas erarbeiten kann – in Kombination mit digitalen Tools und Hilfsmitteln. Ich weiss, dass auch du digitale Methoden und Tools in der Lehre anwendest: Kannst Du uns ein Beispiel geben? Was macht ihr inhaltlich, aber vielleicht auch technisch, welche technischen Forschungsumgebungen nutzt ihr dazu?
Nikolas: Mit digitalen Methoden zu arbeiten war anfänglich kein gezielter Plan von mir. Es waren mehrere Faktoren, die im Laufe der Zeit zusammengekommen sind. Im Masterstudium habe ich ein Seminar zu Dalmatien in der Antike besucht. Einer meiner Kommilitonen war Jonas Schneider. Er hat zu diesem Zeitpunkt Geografie und Geschichte studiert und seine Masterarbeit verfasst. Da ging es darum, geografische Netzwerke abzubilden. Ich habe das sehr spannend gefunden und viel mit ihm darüber gesprochen. Irgendwann hat sich Jonas dazu entschlossen, ein Startup zu gründen: Kleiolab. Kleiolab entwickelte zusammen mit der Universität Bern und LARHRA die virtuelle open-source Forschungsumgebung Geovistory für historische Daten. Zu der damaligen Zeit suchte Jonas Historiker:innen, die mit ihm zusammenarbeiteten. Und ich habe gedacht, ja, das ist eine Riesenchance, zumal ich zu diesem Zeitpunkt an einer Recherche zu einem prosopografischen Projekt im Rahmen meines Dissertationsvorhabens gearbeitet habe. Es ging darum, die Geschichte des Senatorenstandes im dritten Jahrhundert zu rekonstruieren. Ich habe mich also gefragt: Kann man den Lebenslauf von Senatoren mit Hilfe dieser Plattform abbilden. Wir haben erste Tests gemacht und es hat in vielen Fällen funktioniert. Diese Version des Tools gibt es bereits nicht mehr. Und irgendwann ist die Zusammenarbeit auch etwas zur Ruhe gekommen.
Ich selbst habe dann weitergearbeitet, habe meine Dissertation abgeschlossen, hatte dann die Möglichkeit, mir einen weiteren Zeitbereich anzuschauen, nämlich die Zeit der Tetrarchen um 300 und habe dazu erneut dieselbe prosopografische Methode angewandt. Ich habe einen Beitrag dazu geschrieben und mich dann gefragt, ob man da auch eine Datenbank dazu generieren könnte. In der Zwischenzeit hatte Kleiolab sich weiterentwickelt und die Plattform Geovistory veröffentlicht. Da habe ich gedacht, «okay, versuchen wir das». Und es hat funktioniert. Die neue Zusammenarbeit hat in der Publikation einer Website resultiert, auf welcher prosopografische Daten senatorischer Amtsträger unter den Tetrarchen verzeichnet sind.
Mein neues Projekt «Bearers of Knowledge – Networks of Education» basiert auf weiteren Faktoren, die ungeplanterweise zusammenkamen. Ich habe an der 42. Metageitnia-Tagung in Basel Sonsoles Costero-Quiroga (Madrid) kennengelernt, die sich für Philosophie und philosophische Netzwerke interessiert. In ihrer Forschung spielen Netzwerke neuplatonischer Philosophinnen und Philosophen eine wichtige Rolle. Wir sind ins Gespräch gekommen und wollten gerne etwas zusammen in den Bereichen «Netzwerke» und «Philosophie» machen. Wir sind auf das Fördergefäss «global_innovation» der Universitären Lehrförderung (ULF) der UZH aufmerksam geworden. Diese fördert im Rahmen der europäischen Hochschulallianz «Una Europa» interdisziplinäre und internationale Kooperationen. Und wie es der Zufall so wollte, waren Zürich und Madrid zwei Universitäten, die förderungswürdig waren. Wir haben uns überlegt, wie man ein Projekt angehen könnte, das unsere Interessen aus der Forschung fasst und gleichzeitig auch die Lehre abdeckt, einen Antrag ausgearbeitet und diesen eingereicht. Unser Vorhaben wurde dann glücklicherweise akzeptiert.
Christine: Sehr schön, Gratulation zu dem erfolgreichen Antrag. Ich würde gerne nochmal einen kleinen Schritt zurückgehen: Vielleicht kannst du noch ein paar Worte zu Geovistory sagen, was das für eine Art von Datenbank ist, wie man dort Daten erfassen kann. Wie war es für dich mit diesem digitalen Hilfsmittel zu arbeiten?
Nikolas: Ich finde die Umgebung vielseitig und sehr intuitiv. Wenn ich Fragen habe, kann ich diese jederzeit stellen, denn die Betreibenden sind sehr offen, hilfreich und gut ansprechbar. Als Historiker arbeite ich an einem Quellenkorpus, das ich zur Beantwortung einer spezifischen Fragestellung analysiere. Wenn ich mit Geovistory arbeite, dann gibt es ein bestimmtes Format, das vorgibt, welche Informationen aufgenommen werden können und welche nicht. Die Herausforderung besteht für mich nun darin, das, was ich aus den Quellen mit Blick auf die Beantwortung einer Fragestellung gelesen habe, in diese Datenbank einzuspeisen, so dass sowohl ich selbst als auch andere mit diesen Daten weiterarbeiten können. Von der Arbeitsumgebung her ist es so, dass Geovistory als Graphdatenbank mit Entitäten arbeitet. Entitäten können verschiedene Einheiten wie z.B. Daten, Orte oder Personen sein. Man definiert alle diese Entitäten selbst, was ich sehr schätze. Zudem ist es möglich, Verbindungen zwischen Entitäten herzustellen: Die Entität «Person A» kann mit der Entität «Ort B» verknüpft werden. Diesen Ort B kann man dann auf einer Karte darstellen, ihn geovisualisieren, georeferenzieren. Und, man kann bestimmen, für wie lange dieses Verhältnis zwischen Person und Ort gegeben ist. Das ist genial, denn das erlaubt uns, geschichtliche Zusammenhänge, also Netzwerke, abzubilden, die sich auch im Laufe der Zeit verändern können.
Christine: Und das Tolle ist, dass man diese Netzwerke konkret sichtbar machen, sie also wirklich visualisieren und auch präsentieren kann – zum Beispiel in einem Online-Auftritt.
Nikolas: Was auch sehr, sehr wertvoll ist, ist, dass Geovistory das Einspeisen von Quellentexten im Allgemeinen erlaubt. Man kann Texte in die Datenbank einfügen und auszeichnen, d.h. mit einzelnen Entitäten in Verbindung bringen. Das macht das Ganze nachvollziehbar und überprüfbar. Ich finde, das ist vom Standpunkt der Wissenschaftlichkeit besonders wichtig.
Christine: Du hast vorhin gesagt, die Arbeit mit dieser Daten-Plattform sei nicht nur für das Projekt selbst sinnvoll, an dem man arbeitet, sondern auch für andere Forschende. Und ich glaube, da sprechen wir ein ganz prominentes und aktuelles Thema in der Digital History an, die sogenannten Linked Open Data (LOD, im Netz unter freier Lizenz verfügbare Daten, die über Uniform Resource Identifiers identifiziert sind und so abgerufen werden können und ebenfalls via URI mit anderen Daten verlinkt sind). Vielleicht kannst du noch ein paar Worte dazu sagen, inwiefern LOD für dich und für dein Projekt relevant sind und wo andere Forschende an deinen Daten ansetzen könnten?
Nikolas: Wenn ich Daten in Geovistory eingebe, dann ist es so, dass dieses Datenpaket für das eigene Projekt eingesetzt werden kann. Ich kann zum Beispiel Informationen zu einem christlichen Intellektuellen in Geovistory einspeisen. Es liegt dann dieses Datenpaket vor, von dem klar ist, das hat Nikolas Hächler erstellt. Gleichzeitig ist es so, dass das Datenpaket für andere Forschende/Nutzende von Geovistory ebenfalls zugänglich ist. Ich kann beispielsweise zu Laktanz einen Eintrag erstellen, auf den andere Personen dann ebenfalls Zugriff haben. Sie können also einsehen, was dasteht, wie z.B. Lebensdaten, wo die Person lebte, welche Schriften sie verfasste, etc. Andere Nutzende können auch Änderungen an einzelnen Einträgen vornehmen, was registriert wird. Aus meiner Sicht ist das hervorragend, weil man einmal eingegebenen Daten in einem wissenschaftlichen Diskurs weiternutzt und weiterentwickelt. So können sie dann auch Bestandteile neuer Projekte sein.
Christine: Ich glaube, das ist ein Ansatz, der erst durch den Einsatz entsprechender digitaler Methoden so niederschwellig möglich ist. Natürlich gab es vorher auch schon Communities, Lesegemeinschaften, Forschungsgemeinschaften etc. Aber jetzt ist das Ganze einfach öffentlich zugänglich für jeden, zu jeder Zeit. Ist dein Projekt schon veröffentlicht?
Nikolas: Es ist veröffentlicht. Es gibt ein Frontend. Man kann verschiedene Senatoren, die unter den Tetrarchen aktiv waren, einsehen mit den verschiedenen Einträgen. Soweit ich weiss, ist eine Visualisierung, beispielsweise die Aufenthaltsorte der Senatoren unter den Tetrarchen, im Moment im Frontend-Bereich noch nicht möglich, das Backend funktioniert aber diesbezüglich bereits. D.h., wenn ich Daten eingebe, kann ich sie selbst visualisieren. Ich weiss, dass die Betreibenden von Geovistory an derartigen Optionen weiterarbeiten, weil sie sehen, dass das etwas von grossem Interesse für die wissenschaftliche Gemeinschaft ist.
Christine: Kommen wir doch noch einmal zu deinem ULF-Projekt mit der Kooperation in Madrid. Was genau macht ihr inhaltlich und methodisch? Das ist ja kein Forschungsprojekt, sondern ein Lehrprojekt, oder?
Nikolas: Inhaltlich geht es in diesem Projekt darum, dass wir Wissensnetzwerke, bzw. Netzwerke spätantiker Intellektueller rekonstruieren. Das bedeutet, wir untersuchen verschiedene Philosophenschulen bis ins 7. Jahrhundert, um zu schauen, welche Personen beteiligt sind und wie Wissen vermittelt wird. Und wenn Intellektuelle an bestimmten Orten sind, wie beeinflussen sie beispielsweise Entscheidungsträger aus der Politik und wie beeinflusst politisches Entscheiden auch das Handeln, das Wirken Intellektueller. Es gibt diese Verflechtungen und wir denken, dass wir zeigen können, dass der gesamte Mittelmeerraum im Prinzip auf vielfältige Weise gerade über entsprechende sozio-intellektuelle Netzwerke verflochten war. Es gab dabei verschiedene intellektuelle Zentren, zum Beispiel in Rom, Alexandria, Antiochia oder Athen.
In unserer Kooperation möchten wir Studierende aus Zürich und Madrid zusammenbringen. Das bedeutet, wir schauen intellektuelle Netzwerke der Vergangenheit innerhalb studentischer Netzwerke der Gegenwart an. Daran arbeiten wir gerade. Wir haben zunächst eine historische Einführung gegeben, um damit alle Teilnehmenden auf einen ähnlichen Wissensstand zu heben. Dann bringen wir beide Gruppen nach und nach miteinander in Kontakt.
Unsere Methode ist prosopografisch: Wir schauen, welche Personen es gab und welche Informationen wir zu diesen haben. Wir sammeln diese Informationen, geben diese Daten mit den Studierenden zusammen in Geovistory ein und vernetzen unsere Datensätze. Und je nachdem, was Studierende interessiert, kann man unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Wir untersuchen einerseits, was eine Gruppe von Intellektuellen im Besonderen auszeichnet. Wir können aber auch tiefer in die Philosophie eintauchen und philosophische Schriften im Detail analysieren: Was wird geschrieben und wie prägen bestimmte Leitfiguren bestimmte Vorstellungen über die Jahrhunderte hinweg.
Christine: Sehr spannend. Und da die Daten in Geovistory verfügbar sind, können die Studierenden nach Belieben auch mit Hilfe der Plattform weiterarbeiten und die vorhandenen Daten nutzen: neue Projektideen sammeln für z.B. eine Seminararbeit oder die Bachelorarbeit. Man kann auch gemeinsam erarbeiten, wie man daraus eine Fragestellung entwickelt. Das ist eben der Vorteil von Linked Open Data und diesem Ansatz.
Ist das kooperative Seminar ein Bachelor-Seminar, ein Kolloquium oder auf Master-Ebene?
Nikolas: Das ist ein Bachelor-Seminar; die Idee ist, dass man diesen Austausch auch zwischen verschiedenen akademischen Welten hat. Vom 28.-30. April hatten wir zudem die Gelegenheit, Studierende aus Madrid in Zürich willkommen zu heissen und einen kleinen Workshop zu organisieren.
Christine: Sehr schön. Vielleicht noch eine Frage zum Leistungsnachweis. Das wird ganz klassisch eine BA-Seminararbeit sein, oder? Inwiefern werden auch digitale Methoden Eingang finden? Habt ihr da schon etwas überlegt?
Nikolas: Wir möchten, dass im Laufe dieses Frühlingssemesters Einträge in Geovistory erstellt werden. Wir werden das gemeinsam üben und es wird Vorträge dazu geben: Wie ist man vorgegangen? Was waren Schwierigkeiten? Wie möchte man mit diesen Daten weiterarbeiten? Die Einträge in Geovistory stellen dann eine mögliche Grundlage für die Seminararbeiten dar. Was dann konkret als Seminararbeit gemacht wird, wird individuell abgesprochen. Die BA-Seminararbeit wird nach den Vorgaben des Historischen Seminars wissenschaftliche Fragestellungen aufweisen, die auf Grundlage der erarbeiteten Daten und einer kritischen Quellenlektüre beantwortet werden.
Christine: Und trotzdem wird bestimmt ein interaktiver Austausch stattfinden durch Gruppen und Partner-Arbeitsformen. Das heisst, die Studierenden sind auch in der Community und können sich austauschen?
Nikolas: Wir hoffen, dass unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Zürich und Madrid neue Netzwerke entstehen, die vielleicht auch von längerem Bestand sind. Wir möchten aber auch, dass die Teilnehmenden methodische Werkzeuge kennenlernen und dann im Idealfall eigene Projekte lancieren. Es wäre genial, wenn man jetzt einen Samen setzen könnte, aus dem heraus sich eventuell weitere Projekte zu Wissensnetzwerken in der Geschichte entwickeln würden – vielleicht sogar mit Hilfe von Geovistory.
Christine: Hast du bisher schon Erfahrungen mit Geovistory in der Lehre gemacht?
Nikolas: Ja, vor allem zur Visualisierung historischer Zusammenhänge. Wenn ich zum Beispiel über die sogenannte Krise des dritten Jahrhunderts eine Lehrveranstaltung durchführte, dann hat mir Geovistory genützt, um über digitale Karten rasch abzubilden, wie sich bestimmte Personengruppen, darunter insbesondere Senatoren, im Reich bewegten.
Christine: Hast du auch andere Tools, andere Umgebungen ausprobiert?
Nikolas: Ja, habe ich, zum Beispiel das Tool OpenAtlas,ORA oderQuantumGIS für Geo-Visualisierungen genutzt. Bei diesen Tools habe ich gemerkt, dass man in einigen Fällen grössere Freiheiten hat, man kann z.B. Karten selbst auswählen, man kann die Geo-Visualisierung selbst im Detail erstellen, so wie es passt. Es ist aber auch arbeitsintensiver, weil man wissen muss, wie die Software funktioniert, wo man gute Karten findet, etc. Die relationale Datenbank Nodegoat würde ich gerne mal noch ausprobieren.
Christine: Gut, dann kommen wir schon zur letzten Frage. Wir haben in diesem Interview viel über digitale Hilfsmittel, Tools oder Forschungsumgebungen gesprochen. Hier am Historischen Seminar sind wir auf einem guten Weg, dass wir den Studierenden auch früh im Studium gewisse Grundkompetenzen und Digital Skills mit auf den Weg geben – im Sinne der «Digital Literacy». Lieber Nikolas, gibt es etwas, das du den Studierenden ganz im Allgemeinen mit auf ihren Weg geben möchtest? Und, vielleicht auch im Speziellen unter dem Aspekt der Digital History?
Nikolas: Ganz allgemein würde ich allen wünschen, dass sie das studieren, was sie interessiert, also wofür ihr Herz schlägt. Mit Blick auf Digital History im Besonderen gibt es unter den Studierenden bereits Spezialistinnen und Spezialisten, die ganz genau wissen, das ist mein Weg, das möchte ich machen. Sie haben vielleicht Geschichte im Hauptfach und dann ein Nebenfach, das ihnen hilft, zu programmieren, auch um an neuen Entwicklungen – gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz – beteiligt zu sein. Diese Studierenden sind schon auf ihrem Pfad, die brauchen meine Ratschläge nicht unbedingt (lacht). Was mir allerdings rückblickend nützlich scheint, ist, stets offen zu bleiben, mit anderen Kolleginnen und Kollegen zu sprechen, zu schauen, was gerade aktuell läuft. Wenn eine Idee überzeugend ist, daran zu bleiben und zu prüfen, ob man daraus etwas weiterentwickeln kann. Manchmal ist es so, dass man Zeit investiert, aber es kommt vielleicht nicht unmittelbar etwas dabei heraus. Das macht aus meiner Sicht aber nichts. Es kann nämlich sein, dass sich Situationen ändern, und dann geht man zurück und sagt «ah ok, ich habe da was, das ist interessant, das ist nützlich» und dann entwickelt man das weiter. Ich denke, diese Offenheit, diese Flexibilität und dieses allgemeine Interesse, eine Fragestellung unter verschiedenen Perspektiven anzuschauen und mit unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen sowie Werkzeugen anzugehen, auch mit Hilfe von Kooperationen, das ist, glaube ich, das Entscheidende.
Christine: Das ist ein perfektes Schlusswort für dieses vielseitige Interview. Ich danke Dir ganz herzlich für diese spannenden Einblicke in Forschung und Lehre – und für Deine Offenheit, lieber Nikolas. Viel Freude und Erfolg mit dem Lehrprojekt!
Interview vom 25. März 2025