Bodmer, Breitinger, Hagenbuch

Die Öffnung Zürichs für einen neuen Umgang mit dem Altertum haben vor allem Johann Jakob Bodmer (1698–1783), der erste Inhaber eines Lehrstuhls für Helvetische Geschichte (1731–1775) sowie sein Freund, der Philologe Jakob Breitinger (1701–1776) vorangebracht. Sie kannten sich von der Schule, zu ihrem Kreis gehörte auch Johann Caspar Hagenbuch (1700–1763), dem eine Fülle gelehrter Untersuchungen zur Geschichte des Altertums zu verdanken ist. Gleich ihr erstes Unternehmen, die Wochenschrift Discourse der Mahlern, zeugt von wegweisenden Veränderungen. Über drei Jahre hinweg (1721–23) verfassten Bodmer und Breitinger zahlreiche Beiträge, um nach dem Vorbild des Spectator von Joseph Addison und Richard Steele zur Verbesserung der Sitten beizutragen. Diese Zeitschrift kannten sie durch eine französische Übersetzung. Land und Heimat waren ihnen wichtig. Kritik am unverständlichen Latein wurde geäussert. Der Wert einer fortschrittlichen und verständlichen Geschichtsschreibung und einer gediegenen literarischen Bildung waren ihnen wichtige Anliegen.


Bodmer gründete schon als Neunundzwanzigjähriger eine „helvetische Gesellschaft“. Hier suchte er unter anderem die historischen Studien zu fördern. Dabei sollte es nicht um die Sammlung von Fakten, sondern um Sittenlehre für die Gegenwart gehen. Er profilierte sich im Literaturstreit mit Gottsched und zog viele berühmte Besucher an.

 

Er war bei weitem der einflussreichste Dozent am damaligen Carolinum. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Füssli, Lavater, Pestalozzi. Die Akzente verschoben sich von der Theologie weg in Richtung historischer und philologisch-sprachlicher Unterricht.

Füssli im Gespräch mit Bodmer


Zahlreiche Werke Bodmers kamen mit der Hilfe Breitingers zustande. Zu den historischen Studien des gründlichen und gelehrten Breitingers zählt die Präsentation und historische Auswertung der Ausgrabungen in Lunnern. Verständlicher in dieser Publikation für heutige Archäologen wirken freilich die Beschreibungen der Ausgrabungen durch den jungen Johann Georg Sulzer (1720–1797), der später Professor für Philosophie in Berlin wurde und als Hauptwerk eine Allgemeine Theorie der Schönen Künste vorlegte.