Königsfelden

Editionsprojekt «Die Urkunden und Akten des Klosters und der Hofmeisterei Königsfelden (1300–1658)»

Das Doppelkloster Königsfelden gehörte Zeit seines Bestehens (1308-1528) zu den zentralen klerikalen Institutionen des Aargaus und übte auch danach während Jahrhunderten eine grosse Anziehung auf die Menschen der Region und darüber hinaus aus. Das Projekt macht die reiche Überlieferung aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit für die Forschung und interessierte Laien in Form einer digitalen Edition zugänglich.

Das Projekt wird gefördert durch den Swisslosfonds des Kantons Aargau und den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

Kurzbeschrieb

Königsfelden wurde am Ort des Mordes am habsburgischen König Albrecht I. gegründet. Reich ausgestattet durch die Frau und Tochter des Königs, entwickelte sich die Institution rasch zu einem wichtigen Ort und Instrument der Herrschaftsausübung zwischen Aare und Rhein. Weit über das habsburgische Kerngebiet hinaus nahmen die Verwalter aber auch der Orden der Klarissen Einfluss auf die lokalen und regionalen Geschehnisse. Bis zur Auflösung der Konvente im Zuge der Reformation konnte eine hohe Eigenständigkeit bewahrt und zwischen den aufstrebenden Städten Zürich und Bern ein weiträumiges Herrschaftsgebiet bis in den Elsass kontrolliert werden.

Zentrale Ereignisse der Geschichte der Schweiz, wie die Eroberung des Aargaus von 1415 oder die Konzile von Konstanz und Basel stehen in enger Verbindung mit Entwicklungen in Königsfelden.

Resultat dieser vielfältigen Verstrickungen sind mehr als 1’000 Urkunden und Akten, die heute im Staatsarchiv Aargau aufbewahrt werden sowie weitere Dokumente in den Stadtarchiven des Aargaus, im Elsass, Innsbruck und Wien. Im Rahmen des Projekts wird diese Dokumentenfülle nicht nur digital zugänglich gemacht, sondern auch als kommentierte Edition Einblicke in das Herrschen und Leben der Menschen zwischen 1300 und 1650 geben. Die so zugänglich gemachten Dokumente sind von entscheidender Bedeutung für die Lokal- und Ortsgeschichte, aber auch die Ordensgeschichte bis hin zur Geschlechterforschung.

Die Aufarbeitung als digitale Edition erlaubt unterschiedliche Zugänge zu den jahrhundertealten Artefakten. Insbesondere können die sehr unterschiedlichen Ordnungszusammenhänge (Archivsignaturen, Aufbewahrungsformen, Abschriftensammlungen) in die die Dokumente im Lauf der Zeit gestellt wurden sichtbar gemacht werden. Neben hochwertigen Abbildungen der Quellenstücke werden kommentierte Texte sowie genannte Personen und Orte zugänglich gemacht und in ihren historischen Kontext eingeordnet. Damit bedient das Projekt nicht nur herkömmliche Anforderungen an Editionen sondern gezielt auch die Chancen, die eine digitale Geschichtsschreibung bietet.

Aufgrund der Vernetzung mit anderen Editionsprojekten und dem Einbezug in universitäre Lehrveranstaltungen werden im Projekt einerseits Standards genutzt und andererseits der Nachwuchs für digitale Formen der Quellenerschliessung sensibilisiert. Das Umfeld eines Lehrstuhl bietet ein ideales Feld, um neue Formen der Quellenerschliessung und neue technische Möglichkeiten, wie die automatisierte Handschriftenerkennung und die Erkennung von Eigennamen, auszutesten und in einem internationalen Umfeld zu präsentieren. Dabei leisten auch die involvierten Erinnerungsinstitutionen, namentlich das Staatsarchiv und das Museum Aargau einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung und langfristigen Aufbewahrung der Resultate. Das Projekt demonstriert, wie eine enge Vernetzung zwischen Universität und kantonalen Institutionen für beide Seiten fruchtbar ist.

Königsfelden und sein Adel. Annäherungen an eine neue Sozialgeschichte (SNF Projekt 2012–2016)

Das SNF-Projekt machte die herausragende Überlieferung des früheren Klarissen- und Franziskanerklosters zur Basis einer neu ausgerichteten Regional- und Sozialgeschichte. Anstatt eine auf vermeintliche Eigenarten des anvisierten historischen Raumes bezogene Sondergeschichte zu konstruieren, tragen zwei individuelle Teilprojekte internationale Fachdiskussionen von grosser Aktualität an eine regionale Überlieferung heran. Dabei geht es um die Güterzirkulation bei adligen Frauen und die Beziehung zwischen liturgischem und administrativem Schriftgebrauch. Mit der Autonomie der Teilprojekte verbindet sich ein multiperspektivischer Zugang, der gerade nicht regionalistisch begrenzt ist.

Beginn: 01. Mai 2012
Ende: 31. Juli 2016
Das Projekt wurde unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Projektleitung

Prof. Dr. Simon Teuscher

Mitarbeitende

Dr. Claudia Moddelmog
lic. phil. Tobias Hodel

 

Swisslos Buchprojekt «Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik» (2010–2012)

Das Buch «Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik» ist im hier+jetzt Verlag erhältlich: Zum Verlag 

Die Buch-Vernissage und Schlussfeier zum Klosterjubiläum fand am 22. September 2012 in der Klosterkirche Königsfelden statt.

Programm als PDF (PDF, 158 KB)

Das Buchprojekt lässt wissenschaftliche Forschung in eine anschaulich geschriebene und reich illustrierte Darstellung für ein breites Publikum münden. Die Publikation mit dem Titel «Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik» erscheint im Herbst 2012. Im aus sechs Kapiteln bestehenden Band werden aktuelle historische Forschungsperspektiven und zentrale Themen der wissenschaftlichen Diskussion aufgegriffen, die an Königsfelden anknüpfen. Dazu gehören die habsburgische Dynastiebildung mit ihren Folgen für den regionalen Adel, das Spannungsfeld von Stifterwille und franziskanischer Armut, die Veränderung von Herrschaftspraktiken durch zunehmenden Schriftgebrauch, der Wandel adliger Verwandtschaftsstrukturen und damit korrespondierende Veränderungen bei der Verteilung und Weitergabe von Besitz, sowie eine regionale Historiographie-Geschichte des Ortes. Jedes Kapitel kreist um eines dieser Themen und setzt dabei jeweils auch zeitliche Schwerpunkte, um die Transformation vom Kloster zur Hofmeisterei zur Psychiatrie zu zeichnen. Chronologisch zum Teil überlappend kommt so die gesamte Königsfelder Geschichte in verschiedenen Phasen in den Blick.

Die Autoren:
Dr. Claudia Moddelmog
Dr. Jeannette Rauschert
Dr. Martina Wehrli-Johns
lic. phil. Nanina Egli
lic. phil. Tobias Hodel
Dr. Stefan Hess