Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Türkenbeute und Internet Archive

Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: Ottoman History Podcast

Das Internet ist eine riesige Fundgrube auch für wissenschaftliche Fragen. Ständig werden neue Inhalte online zugänglich gemacht - gerade auch im Lockdown-Zeitalter verlagern Museen einen Teil ihrer Bestände ins Internet. Viel weniger beachtet wird, dass auch ständig Inhalte aus dem Netz verschwinden. So etwa die einst hervorragende Seite der Karlsruher Türkenbeute - eine vom Badischen Landesmuseum aufbewahrte Trophäensammlung aus der Zeit der Kriege gegen das Osmanische Reich.
Quasi als eine Art Pionierleistung wurde die Webseite 2003 aufwändig auf dem damaligen Stand der Technik entwickelt: https://zkm.de/de/projekt/tuerkenbeute. Sie enthielt unter anderem interaktive 3-D- und Zoom-Aufnahmen der Ausstellungsobjekte sowie Foren und Chat, aber auch hervorragend aufbereitete Hintergrundinformationen und Literaturlisten in pdf-Format. Seit 2018 ist die Seite leider nicht mehr online, da sie technisch überholt ist.

Einige Eindrücke vermittelt nur noch die Wayback Machine des Internet Archivs: ein Onlinedienst, der Webseiten archiviert - siehe dort etwa eine Kopie vom 20. Okt. 2012.
Sogar einige der erwähnten pdf-Dateien lassen sich auf diesem Weg noch herunterladen. Die Wayback Machine ist daher gerade für HistorikerInnen ein wichtiges (und quellenkritisch zu nutzendes!) Werkzeug für eine noch zu schreibende Geschichte des Internets.
Wie das Beispiel zeigt haben aufwändig programmierte Webseiten ohne grundlegende (und kostenintensive) Neuprogrammierung eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren. Wer Internet-Quellen zitiert tut daher gut daran, eigene lokale Kopien zu erstellen.

Viel nachhaltiger sind da klassische Druckmedien: auch nach fast doppelt so langer Zeit ist auf den 1991 erschienenen Ausstellungskatalog weiterhin Verlass: Ernst Petrasch (Hg.): Die  Karlsruher Türkenbeute. Die «Türckische Kammer» des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. Die «Türckischen Curiositaeten» der Markgrafen von Baden-Durlach. München 1991.
Zumindest letztes Jahr war er noch im Museumsshop verfügbar und kann ansonsten antiquarisch oder bibliothekarisch beschafft werden - in Zürich etwa gleich in mehreren Bibliotheken: NEBIS-Katalog. Sind also online verfügbare Medien tatsächlich immer besser zugänglich als gedruckte Publikationen?
Bei der Schnelllebigkeit und geringen Nachhaltigkeit des Internets fragt es sich auch, wie lange die in diesem Tipp der Woche angegebenen Links funktionieren werden - und ob dieser Beitrag hier eine online-Lebensdauer erreicht wie die eingestellte Webeite http://tuerkenbeute.de