Tipp der Woche vom OEG-Team

  • Von Andrej Marković, Assistent: ARKzine

    So bekannt die jugoslawischen Zerfallskriege auch sind, so wenig sind vielen die damals aktiven lokalen Friedensbewegungen bewusst. Sie entziehen sich einfachen Einordnungen in Balkanstereotype und den nicht nur in den jugoslawischen Nachfolgestaaten beliebten Erzählungen vom Volk als Kollektivsubjekt. Wer sich mit ihrer Geschichte beschäftigen möchte, wird um die Lektüre des «ARKzine» schwerlich umhinkommen. Die 1991 als Fanzine der Antikriegskampagne Kroatiens (Antiratna kampanja Hrvatske, ARK) gegründete Zeitschrift informierte bis 1998 über die Aktivitäten tätig gewordener Alternativen zum nationalistischen Terror und unterzog die autoritären und nationalkonservativen Verhältnisse im Land einer beissenden, zuweilen auch kreativen Kritik.
    Auf der Seite monoskop.org ist die auf Kroatisch verfasste Zeitschrift vollständig im PDF-Format zugänglich: https://monoskop.org/Arkzin

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  • Von Johannes Wahl, MA-Student/Tutor: Polenmuseum Rapperswil

    1870 gründete der polnisch-litauische Emigrant Władysław Plater auf dem Schloss Rapperswil das Polnische Nationalmuseum, das zahlreiche Bestände in Kunst, Handwerk, Schriftgut und Druckschriften mit Bezug zu Polen beherbergte. Nachdem im Jahre 1927 die neue Regierung der Zweiten Polnischen Republik sämtliche Bestände zurückrief, ging die Fülle an Objekten spätestens nach der Zerstörung Warschaus 1944 verloren. Erst 1975 eröffnete der 1954 gegründete Verein der Freunde des Polenmuseums Rapperswil das Museum erneut, welches bis heute besteht. Das heutige Sammlungsprofil gestaltet sich äusserst vielfältig und gewährt dem Besucher und der Besucherin von Trachten, militärischen Orden und Abzeichen bis hinzu Gemälden, Karten und Schnitzereien ein farbiges Sammelsurium an jeglichen mit der polnischen Kultur und Geschichte im Zusammenhang stehenden Exponaten. Zudem beherbergt das Museum ein Antiquariat und Archiv mit Nachlässen namhafter polnischer Emigranten in der Schweiz. Für alle, die sich für polnisch-schweizerische Verflechtungsgeschichte interessieren, ist ein Besuch im schmuck gelegenen Polenmuseum in Rapperswil ein absolutes Muss.

    Polenmuseum Rapperswil

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  • Von Daniel Ursprung, wissenschaftlicher Mitarbeiter: New Books Network

    Das New Books Network ist ein Netzwerk von Podcasts, in denen Autor/innen wissenschaftlicher Bücher von einem/r fachkundigen Peer zu den Inhalten ihrer Werke interviewt werden. In meist halb- bis einstündigen Interviews erhält man so rasch einen guten Überblick über neue Thesen und Forschungsergebnisse. Gründer des Netzwerkes ist der Russland-Historiker Marshall Poe, so dass unter den mittlerweile Dutzenden von Kanälen auch die Osteuropäische Geschichte einen gebührenden Platz einnimmt. Für unser Fach einschlägig sind unter anderem New Books in History, New Books in Eastern European Studies oder New Books in Russian and Eurasian Studies.

    https://newbooksnetwork.com/

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  • Von Prof. Dr. Ekaterina Emeliantseva Koller: Manual for Survival

    Wenn wir Beeren oder Pilze bei der Migros einkaufen, denken wir sicherlich nicht an das Anthropozän und die Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor über 30 Jahren. Kate Brown's Buch «Manual for Survival. A Chernobyl Guide to the Future» (2019) legt offen, wie der Unfall unseren Konsum und unsere Lebensgewohnheiten längerfristig beeinflusst hat. Gleich einer Detektivin in einem Krimi verfolgt Kate Brown die unsichtbaren Wege von Menschen und Dingen aus den bestrahlten Gebieten. Sie gibt anonymen Helden, die im verseuchten Gebiet ihren Alltag meistern, eine Stimme und deckt die Agenda internationaler Organisationen auf, die heikle Informationen verheimlichten. Mit diesem Buch führt Kate Brown uns vor Augen, wie irreversibel die Folgen des nuklearen Anthropozäns sind, wenn wir selbst hier, in der Schweiz nicht sicher sein können, ob Pilze, die wir kaufen, nicht doch verstrahlte Tschernobyl-Migranten sind.

     

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  • Von Regina Klaus, Verwaltungsassistentin OEG: Culturescapes

    Seit 15 Jahren erkundet Culturescapes zeitgenössische Kulturlandschaften verschiedener Länder, Städte und Regionen. Der Schwerpunkt des multidisziplinären Kulturfestivals, das zwischen dem 5.10. und 6.12.2019 stattfindet, liegt in diesem Jahr auf Polen. Culturescapes will in seiner Programmierung über das Bekannte und schon oft Gesehene hinausgehen. Es sammelt Fragen und Widersprüche, Zweifel und Unsicherheiten. Künstlerische Produktionen, die diese Spannungslinien aufzeigen, sind die Zutaten des diesjährigen Festivals mit seinen mehr als 100 Veranstaltungen in mehreren Schweizer Städten. Siehe dazu das detaillierte Programm.

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  • Von PD Dr. Peter Collmer - Osteuropa digital: Osmikon

    Digitale Medien und online verfügbare Quellen werden in der Geschichtswissenschaft immer wichtiger. Ein eigentliches Juwel im unübersichtlichen Steinbruch des Internets stellt hier das Forschungsportal Osmikon dar. Es wird von der Bayerischen Staatsbibliothek und weiteren Forschungseinrichtungen unterhalten und bietet Zugang zu einer Vielzahl spannender Materialien, Forschungsdaten und Publikationen rund um die Länder des europäischen Ostens.

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  • Von Benjamin Kaelin, Assistent: Sreda 19.7.1961

    Wie sahen Leben und Alltag im jungen post-sowjetischen Russland aus? Dies zeigt ein ungewöhnliches, minimalistisches Dokumentarfilmprojekt von Viktor Kosakovskij (Titel: Sreda 19.7. 1961, RU 1997, 90’). Der Regisseur besucht dazu zahlreiche seiner am selben Tag wie er – dem titelgebenden Mittwoch des 19. Juli 1961 – geborene Leningrader Altersgenossen und öffnet damit eine rohe und zugleich poetische Perspektive in unterschiedlichste von der Transformation der 90er Jahren geprägten Petersburger Lebenswelten. Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=e4f4vCMvWpQ

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  • Von Prof. Dr. Nada Boškovska: Klein und sehr fein!

    Wer Ohrid in Makedonien besucht, sollte es keinesfalls versäumen, die Ikonengalerie im Hof der Muttergotteskirche Perivlepta beim Oberen Stadttor (Gorna porta) zu besichtigen. Die Galerie ist klein, sodass man sich Zeit nehmen kann, um die grossartigen Kunstwerke aus dem 11. bis 19. Jh. in aller Ruhe zu betrachten. Ich gehe bei jedem Aufenthalt in Ohrid hin und bin immer wieder begeistert und berührt.

    https://ohrid1.wixsite.com/icon-gallery-ohrid

    Foto: Maria bei der Verkündigung, Anfang 12. Jahrhundert

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