Sympolitien

Gesellschaftliche und urbanistische Implikationen von Konzentrationsprozessen in der hellenistischen Zeit

Die griechische Welt ist in klassischer Zeit geprägt von zahllosen Poleis (Bürgergemeinden, Stadtstaaten), von denen viele nur winzige Territorien kontrollierten. Diese kleinteilige politische Landschaft veränderte sich seit dem 4. Jh. und besonders im Hellenismus ganz erheblich durch Zusammenschlüsse einzelner Stadtstaaten zu sogenannten Sympolitien, die sich häufig als Eingemeindungen kleinerer Poleis durch bedeutendere Nachbarn darstellen.

Die radikalen Veränderungen, die der Abschluss einer Sympolitie bewirkte, zwangen die Bürger in den beteiligten Partnerstädten, bewusst zu reflektieren, welche Gestalt die künftige Polis haben sollte, und veranlassten sie, ihre Vorstellungen von den Rechten und Pflichten des Polisbürgers in Verträgen und Beschlüssen zum Ausdruck zu bringen. Die historische Analyse des Phänomens der Sympolitie eröffnet deshalb die Chance, Aufschlüsse über jene Grundbedingungen der gesellschaftlichen Ordnung zu gewinnen, die in den Quellen ansonsten kaum je thematisiert werden, die das Leben in den griechischen Poleis der hellenistischen Zeit aber entscheidend prägten.

Sympolitievertrag zwischen Latmos und Pidasa

Eine systematische Untersuchung solcher Konzentrationsprozesse fehlt bisher. Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll insbesondere untersucht werden, welches die Beweggründe für den Zusammenschluss einzelner Poleis waren. Besonderes Augenmerk gilt den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Partner, von denen der Erfolg oder Misserfolg einer Sympolitie abhing. Ferner wird analysiert, wie sich die politischen und sozialen Institutionen der Gemeinden und die lokalen Identitäten der Bevölkerung infolge einer Polisfusion veränderten. Schließlich wird danach gefragt, wie die Sympolitie die Entwicklung der Siedlungsbilder und der Infrastrukturen im Zentrum und in den peripheren Gemeinden beeinflusste.

Publikationen

  • A. V. Walser, Sympolitien und Siedlungsentwicklung, in: A. Matthaei – M. Zimmermann (Hg.), Stadtbilder im Hellenismus, Die hellenistische Polis als Lebensform 1 (Berlin 2009) 135–155.
  • Ch. Schuler – A. V. Walser, Sympolitien und Synoikismen. Gesellschaftliche und urbanistische Implikationen von Konzentrationsprozessen in hellenistischer Zeit, in: M. Zimmermann (Hg.), Urbane Strukturen und bürgerliche Identität im Hellenismus (Mainz 2015) 349–358.

Kooperationspartner:

  • Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts
  • Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul