Historische Erforschung von Katastrophen: Stand und Perspektiven der Forschung
Universität Stuttgart, 16.-17. März 2006
Das erste Arbeitstreffen des Netzwerks fand am 16. und 17. März 2006 in Stuttgart statt. Thema war „Stand und Perspektiven der Forschung“ einer historisch orientierten Untersuchung von Katastrophen. Die einzelnen Netzwerkmitglieder stellten ihre Forschungsprojekte zu je zeit- und kulturspezifischen Katastrophen vor und diskutierten sie. Damit sollte nicht nur das gemeinsame Forschungsfeld ausgemessen werden, sondern es konnten auch die verbindenden Forschungsintentionen hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit zur Diskussion gestellt und damit zugleich Wege zu einer konsensfähigen Begrifflichkeit beschritten werden. Fragen nach dem jeweiligen Forschungsstand spielen also genauso eine Rolle wie Fragen nach der Konstruktion von Katastrophen, ihrer (auch semantischen) Bewältigung, nach dem Wechselspiel zwischen (politischer) Gemeinschaft und (kontingentem) Ereignis bei der Formung kulturspezifischer Eigenarten im Umgang mit Katastrophen. Damit geraten nicht nur die destruktiven, sondern auch die konstruktiven Auswirkungen von Gefährdungen und Katastrophen auf menschliche Kulturen in den Blick. Durch die zeitlich und räumlich breite Erstreckung der Forschungsinteressen – von der Antike bis in die Gegenwart, von Europa bis Ostasien – wird zugleich eine kulturkomparatistische Perspektive eröffnet.
Zusätzlich strukturierten drei einschlägig ausgewiesene Gäste des Netzwerks das Arbeitstreffen durch programmatische Beiträge. Eröffnend sprach Prof. Dr. Egon Flaig (Alte Geschichte, Universität Greifswald) am Beispiel des Untergangs Spartas als Vormacht im antiken Griechenland darüber, wie ein – hier: politisches – Ereignis zur Katastrophe (gemacht) wird. Privatdozent Dr. Kay Peter Jankrift (Mittlere Geschichte, Universität Münster) gab an Fallbeispielen einen Überblick über Katastrophen in der europäischen Vormoderne, während Prof. Dr. Dieter Schott (Neuere Geschichte, Universität Darmstadt) den Schwerpunkt seines Beitrags auf die Erforschung von Katastrophen in der Stadtgeschichte der Moderne legte.

