Sandra Schinzel- Kunz
Die gesellschaftliche Stellung des Kindes an der Wende zum 21. Jahrhundert
Eine Untersuchung zur gesellschaftlichen Stellung des Kindes in der Schweiz anhand der Pro Juventute Elternbriefe zwischen 1988 und 2006.
1. Zusammenfassung des Forschungsprojektes
Wie steht es um die Stellung des Kindes in der Gesellschaft? Was ist gut für ein Kind? Die Frage nach dem Kindswohl wurde von der historischen Forschung wenig berücksichtigt. Doch die Beantwortung dieser Problemstellung liefert Rückschlüsse auf das Funktionieren einer gesamten Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf das Familien- bzw. Rollenverständnis. Die Dissertation setzt hier an und soll Grundlagen erarbeiten, die eine Forschungslücke schliessen. Dabei sollen die Jahre 1988 bis 2006 in der Schweiz untersucht werden. Als Quellenbasis dienen dafür die Elternbriefe der Pro Juventute. Die Quelle wurde gewählt, weil sie sich explizit mit dem Kindswohl beschäftigt und in weiten Teilen der Bevölkerung fest verankert ist. Die Elternbriefe wurden in den Jahren 1988 und 2006 komplett überarbeitet. Es sollen daher die Gesamtausgaben - also die ersten sieben Lebensjahre - der 1988er- und 2006er-Serie untersucht, miteinander verglichen und anschliessend in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext gestellt werden. Für die Zeit dazwischen, in der laufend kleinere Anpassungen vorgenommen wurden, soll zusätzlich eine Komplettausgabe in der zeitlichen Mitte, also des Jahres 1997, in gleicher Weise betrachtet und in Bezug auf veränderte Stellen untersucht werden. Die Untersuchung soll mittels einer hermeneutischen Inhaltsanalyse durchgeführt und ein entsprechender Fragebogen entwickelt werden. Der Blick wird auf das von Fachleuten für Laien konstruierte Konzept der Kindheit gerichtet. Das Quellenmaterial vermag einerseits aufzuzeigen, welche Aspekte für die Elternbrief-Verantwortlichen in Bezug auf das Kindswohl zentral waren und lassen Aussagen darüber zu, wie das von diesen entworfene Bild der Kindheit aussieht. Dabei soll untersucht werden, ob in der definierten Zeitspanne ein gesellschaftlicher Wandel erkennbar ist bzw. ob und inwiefern die Darstellungen ein Spiegel der effektiven gesellschaftlichen Verhältnisse sind. Darüber hinaus kann die Quelle als ein einzelner Strang unter verschiedenen Strängen von Argumentationsweisen rund um den Themenbereich Kinder bzw. Kindheit eingeordnet werden und die Quelle kann als ein Diskursprodukt betrachtet werden, die den gesamtgesellschaftlichen Diskurs rund um die Thematik aufnimmt. Vor diesem Hintergrund lassen sich durch die Auswertung des Quellenkorpus Erkenntnisse gewinnen, die einen wertvollen Beitrag leisten können zur Erforschung der gesellschaftlichen Stellung des Kindes in der Schweiz an der Wende zum 21. Jahrhundert.
Kontakt: s.schinzel@NOSPAMaccess.uzh.ch
