Ikonographie der Schweizer Stadt

Matthäus Merian: Ansicht von Biel/Bienne in seiner Topographia Helvetiae, Rhaetiae, et Valesiae ..., 1654.
Die Ikonographie der Schweizer Stadt (15.-19. Jh.)
Das im Frühjahr 2006 mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF, Projekt-Nr. 100011-124506) gestartete Forschungsprojekt beabsichtigt eine Bestandesaufnahme von Stadtbildern, städtischen Images und Stadtansichten, kurz: eine Ikonographie Schweizer Städte in der Neuzeit. Ziel des Projektes ist nicht nur die möglichst vollständige Erfassung aller überlieferten Bilder der untersuchten Städte, vielmehr soll das Projekt die Erarbeitung einer Typologie der Schweizer Stadtdarstellung vor dem europäischen Hintergrund beinhalten. Primär geht es darum, den Weg der Stadtabbildung von der symbolischen, verdichteten Darstellung über die Vogelschauvedute und die Kavaliersperspektive bis hin zur romantischen Sicht der Stadt in ihrer natürlichen Umgebung und schliesslich zur frühen photographischen Ablichtung der Stadt nachzuzeichnen.
Die aus dem Forschungsprojekt resultierende Publikation soll aber nicht nur den Zugang zu bisher kaum erschlossenem Quellenmaterial zur Schweizer Stadtgeschichte eröffnen, sondern auch spezielle Aspekte zur Entwicklung der Stadt und ihrer bildlichen Repräsentierung vertieft behandeln. In der Publikation wird den Beiträgen der einzelnen Städte ein thematischer Teil vorangestellt, der beispielsweise auf die konfessionsbedingten oder sprachregionalen Unterschiede in den Stadtabbildungen eingeht. Auch der speziellen Situation der Schweiz mit ihren Klein- und Kleinststädten – einschliesslich der Sonderfälle der sog. Flecken und borghi, die ohne eigenes Stadtrecht eine der Stadt vergleichbare Zentrumsfunktion übernehmen – wird in einem Aufsatz Rechnung getragen und ein einheitlicher Stadtbegriff entwickelt. Für die Auswahl der in die Publikation aufgenommen Städte wurde vorgängig grundsätzlich vom Besitz des Stadt-Status zum Zeitpunkt des Stichjahres 1750 ausgegangen.
Neben den Bildinhalten - die Grösse der Häuser als Indizien für demographische Entwicklungen, Verteidigungsanlagen als Ergebnisse technischer und politischer Veränderungen, Hinweise auf die hohe Gerichtsbarkeit, Spuren des Alltags etc. – stehen auch die Bildmedien im Zentrum des Interesses. So sollen etwa der Zusammenhang von Bild und Text (Inschriften, Legenden, Randleisten), die Konsequenzen des Bildträgers und der angewandten Technik für die Darstellung (Bsp. Münzen, Geschirr, Photographie) sowie die Intension des Auftraggebers und wirtschaftliche Interessen betreffend Herstellung und Vertrieb der Bilder berücksichtigt werden.
Die Auswahl der Städte wurde vom wissenschaftlichen Komitee bestehend aus Prof. Dr. Martina Stercken (Zürich), Dr. phil. Marco Jorio (Bern), Prof. Dr. Bernd Roeck (Zürich) sowie Prof. Dr. François Walter (Genf) gemeinsam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden lic. phil. Julia Burckhardt (Zürich), lic. phil. Elodie Le Comte (Genf), und lic. phil. Thomas Manetsch (Zürich), welche auch die Koordination und redaktionelle Betreuung der Forschungsbeiträge übernehmen werden, erstellt. Für die Bearbeitung der einzelnen Städte werden lokale Fachleute (Denkmalpfleger, Stadthistoriker, Archivare, Kunsthistoriker) rekrutiert. An mehreren Tagungen werden sich alle Beteiligten zusammenfinden, um sich über Fragen der Vorgehensweise auszutauschen, Zwischenresultate zur Diskussion zu stellen und Forschungsprobleme gemeinsam zu erörtern.

