Historisches Seminar – Prof. Dr. Bernd Roeck

Frühjahrssemester 2011

SE 2049: Renaissance-Florenz. Kulturgeschichte, Sozialgeschichte, Mythos

Kurzbeschreibung:
Die Stadt Florenz war zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert ein Laboratorium der Moderne. Florenz erlebte die Erfindung der Doppelten Buchführung, die Entdeckung der Zentralperspektive und überhaupt eines neuen architektonischen Stils; die Stadt war Heimatort des Mannes, der dem neu entdeckten Amerika den Namen leihen sollte und wo mit Machiavelli der Autor einer bahnbrechenden politischen Theorie wirkte. Das Seminar möchte die Befunde der neueren Forschung über Florenz mit dem Mythos der Stadt, wie er sich insbesondere seit dem 19. Jahrhundert formte, konfrontieren und die grosse europäische Kulturepoche der Renaissance von einem ihrer Hauptorte aus analysieren.

Literatur (Auswahl):
Hans Baron: The Crisis of the early Renaisance, Princeton 1966.
Alison Brown: The Medici in Florence. The Exercise and Language of Power, Florenz 1992.
Gene Brucker: Renaissance Florence, New York 1969.
Robert Davidsohn: Geschichte von Florenz, 4 Bde., Berlin 1896-1927
Raymond de Roover: The Rise and Decline of the Medici Bank 1397-1494, Cambridge, Mass., 1963.
Ernst H. Gombrich: The Early Medici as Patrons of the Arts, in: ders., Norm and Form. Studies in the Art of the Renaissance, Edinburgh 1971, S. 35-57.
Bernd Roeck: Florenz 1900. Die Suche nach Arkadien, München 2004
Volker Reinhardt: Florenz zur Zeit der Renaissance. Die Kunst der Macht und die Botschaft der Bilder, Freiburg und Würzburg 1990.
Volker Reinhardt: Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance, München 2007.
Nicolai Rubinstein: The government of Florence under the Medici, 1434 to 1494, Oxford 1997.

VL 2091: Renaissance. Europa am Anfang der Moderne, 1400-1600

Kurzbeschreibung:
Die Vorlesung geht von der Einsicht in die Einzigartigkeit der europäischen Renaissance aus. Eine kulturelle Entwicklung, die sich nicht allein darum bemühte, zur Reinheit von „Anfängen“ zurückzukehren oder sich auf die Autorität der „Alten“ besann, um sie gegen eine tatsächlich oder vermeintlich dekadente Gegenware zu stellen, sondern sich einer Jahrtausende alten Überlieferung bediente, um diese schöpferisch fortzuentwickeln, hat keine andere Weltkultur gekannt. Daraus gewinnt die europäische Renaissance ihre eigene Physiognomie. Ziel der Vorlesung ist, die Voraussetzungen des „Neuen“ aufzuweisen, das über die fruchtbare Auseinandersetzung der Renaissancehumanisten, der Künstler, der Ingenieure und Entdecker generiert wurde. So stehen die Vorgeschichte und der Durchbruch der sog. Wissenschaftlichen Revolutionen im Vordergrund des Interesses: Die Genese einer neuen Kosmologie, die Entstehung eines auf Empirie und Mathematik gegründeten Weltbildes; die europäische Diskursrevolution und ihre technologischen Folgen; schliesslich auch die neue Kunst der Renaissance und die Philosophie des Humanismus. Es sollen eigenständige Entwicklungen innerhalb der Wissenschaften und Künste ebenso thematisiert werden wie mannigfache Interdependenzen mit sozialen und wirtschaftlichen „Umständen“. Die Ergebnisse der neueren Forschung werden mit der Epochenkonstruktion, wie sie seit Jacob Burckhardts im doppelten Sinne epochalen Werkes vollzogen wurde, konfrontiert.

Literatur (Auswahl):
H. Floris Cohen: The Scientific Revolution: A Historiographical Inquiry, Chicago und London 1994.
Peter Burke: Die Renaissance in Italien: Sozialgeschichte einer Kultur zwischen Tradition und Erfindung, Berlin 1996
Michael Baxandall: Die Wirklichkeit der Bilder, Berlin 1999.
John Hale: Die Kultur der Renaissance in Europa, München 1994.
Steven Shapin: Die wissenschaftliche Revolution, Frankfurt am Main 1998.
Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien: Ein Versuch, 2009.
Peter Burke: Die europäische Renaissance: Zentren und Peripherien, München 1998.

KO 2078: Klassiker der Frühen Neuzeitforschung

Dozentin: Janina Gruhner
Gegenwärtig stehen unzählige Klassiker der Frühen Neuzeit wie Machiavellis "Il Principe" oder Petrarcas "Canzoniere", um nur zwei Beispiele zu nennen, im Zentrum von Forschungsdebatten, die sich - ausgehend von einem mittelalterlichen Weltbild - mit den humanistischen Strömungen in Italien oder mit der Epoche der Renaissance beschäftigen. Ob nun Briefe, Reiseberichte, Tagebücher, politische Traktate oder Gedichtzyklen - alle widerspiegeln die Vielfalt und den Wandel des Individuums von 1400 bis 1800 in Europa. Und der Historiker rekonstruiert mit diesen Schriftquellen ein vertieftes Verständnis für vergangene Zeiten, lässt neue Fragen auftauchen und bietet eine Fülle von Antworten.

Literatur (Auswahl):
Markus Völkel: Geschichtsschreibung. Eine Einführung in globaler Perspektive, Stuttgart 2006.
Klaus Garber: Literatur und Kultur im Europa der Frühen Neuzeit, München 2009.

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