Medienereignisse
Im Zeitalter der modernen Massenmedien gehört es zu den Allgemeinplätzen, dass Ereignisse medial vermittelt, überformt oder gar „gemacht“ sind. Durch Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet wird die globale Öffentlichkeit über Umweltkatastrophen, Kriege und Revolutionen ebenso umfassend informiert wie über Sportereignisse oder Prominentenhochzeiten. Demgegenüber scheinen in der Vormoderne Medien eine geringere Rolle zu spielen. Schon ein oberflächlicher Blick auf die Frühe Neuzeit widerlegt diese Einschätzung jedoch. So ist die Reformation ohne die Predigt, das Flugblatt oder das Buch genauso wenig denkbar wie die Französische Revolution ohne das Plakat, das Theater oder das Revolutionslied. Über Medien werden Informationen verbreitet; Medien sind, insofern sie Kommunikation allererst ermöglichen, aber auch in das Geschehen selbst involviert. Sie bestimmen die zeitgenössische Beobachtung, generieren Handlungsoptionen und besitzen mithin einen wesentlichen Einfluss auf die historischen Verlaufsformen. So lässt sich gerade anhand vormoderner Beispiele wie dem Wormser Reichstag von 1521 (Bild) zeigen, dass Medien Ereignisse keineswegs nur „abbilden“, sondern sich in sie „einschreiben“ und damit selbst zu Faktor des geschichtlichen Wandels werden.
Bildnachweis: Doctor Martini Luthers offenliche Verhör zu Worms […]. Augsburg 1521, Titelholzschnitt.

