Medialitätsgeschichte
In der Regel wird Mediengeschichte von Historikerinnen und Historikern als Geschichte von Apparaturen wie dem Fotoapparat, Technologien wie dem Druck oder Gattungen wie der Zeitung oder der Zeitschrift verstanden, die im Laufe der Geschichte entstehen, meist erfunden werden und die dann bestimmten historischen Veränderungen unterliegen. Diesem technischen Medienverständnis entsprechend wird dann eine Geschichte der Leitmedien geschrieben, die implizit so etwas wie einen Fortschrittsgedanken beinhaltet. Medientechniken verbessern sich im Laufe der Geschichte; sie erhöhen beispielsweise die Schnelligkeit, mit der Informationen verbreitet werden können, oder die Kapazitäten, Daten zu speichern und zu verarbeiten. „Medialitätsgeschichte“ im hier gemeinten Sinne setzt demgegenüber auf der Ebene der Kommunikation, Wahrnehmung und Beobachtung und mithin nicht bei einem technischen Medienverständnis im engeren Sinne an. Medialität ist überall dort im Spiel, wo Menschen miteinander kommunizieren, sich ihre Erfahrungen mitteilen und Gedanken austauschen, sich über sich selbst und die Welt verständigen, Wissen sammeln und kollektiv handeln. Medialität ist insofern ein Aspekt der Wissens- und Kultur- ebenso wie der Wirtschafts-, Politik- und Sozialgeschichte. Ja, sie ist eine historiographische Zugriffsweise, mit deren Hilfe historische Veränderungen in allen Bereichen an die zeitgenössischen Formen ihrer Wahrnehmung, Vermittlung und kollektiven Gestaltung zurückgebunden werden können.
Bildnachweis: Battle of Trafalgar, Panorama, Leicester Square, National Maritime Museum, Greenwich, London, ca. 1806.

