Kulturtransfergeschichte
Die historische Kulturtransferforschung (auch „Verflechtungsgeschichte“ oder „histoire croisée“) beschäftigt sich mit der Analyse von Austauschprozessen zwischen kulturellen Systemen in der Geschichte und ist daher ihrer Natur nach interdisziplinär. Sie greift methodisch sowohl auf Strukturbeschreibungen als auch auf Prozessdeutungen zurück und nimmt die Instrumente und Problemsichten etwa der Anthropologie und Ethnologie, der Philosophie, der Literatur- oder Medienwissenschaft in ihr Analyserepertoire auf. In der Wahl ihrer Themen und Forschungsgegenstände steht die historische Transferforschung den Ansätzen der Mikrohistorie und der historischen Anthropologie nahe, weil wie bei diesen das empirische Studium zunächst einmal auf der Ebene der Akteure und der an Transfers beteiligten Gruppen ansetzen muss - unabhängig davon, ob es sich um bewusste Transferprozesse handelt oder um unbewusste Diffusionen. Dabei kann die historische Erforschung von Transferprozessen Verflechtungen zwischen Ländern und Regionen aufdecken, die mitunter weiter zurückreichen, als es im gegenwärtigen Geschichtsbild zum Ausdruck kommt.
Bildnachweis: "Phra Mahachanaka verliert sein Schiff" (233x290 mm). Aus einer Handschrift des Traibhumikatha, einer siamesischen Kosmographie (ca. 1776). Deutlich erkennbar zeigt dieses Bild einen Europäer, vermutlich einen Franzosen. In Klaus Wenk, Thailändische Miniaturmalereien, Stuttgart 1965.

