Emotionsgeschichte
Liebe, Zweifel, Freude, Trauer, Sehnsucht - Emotionen prägen unser Leben. Doch haben Gefühle eine Geschichte oder machen Gefühle Geschichte? Unter dem Einfluss der kulturgeschichtlichen Wende und insbesondere der historischen Anthropologie sind Emotionen in den letzten Jahren verstärkt zu einem Thema in der Geschichtswissenschaft geworden. Es existieren Deutungsangebote, welche eine historische Betrachtung von Emotionen weder rein konstruktivistisch noch deterministisch auffassen, sondern als kommunikative Äusserungen. Als solche werden sie für Historiker und Historikerinnen wieder greif- und untersuchbar. Dabei zeigt sich, dass Gefühle Handlungen motivieren und Entwicklungen steuern und damit in der Tat Geschichtsmächtigkeit erlangen. Dennoch bleiben in diesem Themenfeld zahlreiche, auch methodische Fragen noch offen. Zu fragen wäre etwa, wie ein adäquates methodisches Instrumentarium aussehen sollte, mit dem das komplexe Verhältnis zwischen den in historischen Zeugnissen repräsentierten Emotionen und einer darin enthaltenen, darüber aber auch hinausgehenden emotionalen Vergangenheit untersucht werden kann.
Bildnachweis: Kupferstich, Glüh der Liebe, 1796, Stecher: Daniel, Nikolaus Chodowiecki, VIrtuelles Kufperstichkabinett HAB.

