Vortrag und Workshop mit Prof. Shulamit Volkov (Tel Aviv)

Workshop "Rathenau. Wissen – Erzählen – Handeln" und Vortrag "Vom Nutzen und Nachteil der jüdischen Geschichte"

In Kooperation mit dem Zentrum Geschichte des Wissens findet am 26. September 2014 ein Workshop mit Prof. Shulamit Volkov statt, der von Dr. Kijan Espahangizi, Dr. Florian Kappeler und Dr. Robert Leucht organisiert wird. Nähere Informationen siehe Kasten rechts.

Am 7. Oktober 2014, 16:15h, Raum KO2-F-155 spricht Frau Volkov im Zentralen Kolloquium des Doktoratsprogramms Geschichte über die Geschichte der jüdischen Geschichtsschreibung.

Abstract: Die jüdische Religion, ihre heiligen Schriften, ihre Liturgie und ihre Rituale scheinen auf den ersten Blick voller historischer Deutungen zu sein. Interessanterweise aber zeigte sie nur wenig Verständnis für die Geschichtsschreibung als eine wertvolle intellektuelle Tätigkeit. Jahrhundertelang gab es in der Tat keine Geschichtsschreibung unter Juden. Als man schließlich jüdische Geschichte zu schreiben begann, wurde sie bald zu einer Art Religionsersatz. Im Zeitalter der Emanzipation und im Prozess der Säkularisierung wurde sie zu einer neuen Grundlage der modernen jüdischen Identität. In ihrem Vortrag beschreibt Shulamit Volkov, wie man – vor allem in Deutschland – die jüdische Geschichtsschreibung in den Dienst verschiedener Ideologien gestellt hat, erstens im Kontext der jüdischen kulturellen und gesellschaftlichen Assimilation und dann auch im Kontext der sich später entwickelnden jüdischen Nationalbewegung und des Zionismus. Der Vortrag analysiert den Nutzen und Nachteil dieser Geschichtsschreibung in beiden Fällen – bis hin zu ihrer zweideutigen Rolle während der Nazizeit und ihrem heutigen Gebrauch in der israelischen Politik.