Projekte

Verwaltete Vielfalt: Die königlichen Tafelgüter in Polen-Litauen, 1697-1763

(Habilitationsprojekt)

Die Untersuchung fragt danach, wie Herrschende im vornationalen Europa mit Vielfalt umgingen. Im Fokus stehen die so genannten Tafelgüter der polnischen Könige. Dabei handelte es sich um einen Komplex aus Landgütern und anderen Einnahmequellen, welche die Adelsrepublik dem Monarchen seit dem 16. Jahrhundert zur Finanzierung seines Hofes überliess. Da die betreffenden Güter über das ganze polnisch-litauische Vielvölkerreich verstreut lagen, zeichnete sich die königliche Tafel (mensa regia) durch eine grosse sprachliche, konfessionelle, rechtliche und ökonomische Diversität aus. Im hier interessierenden Zeitfenster wurde die Tafelverwaltung ausserdem durch die Ordnungsvorstellungen des Dresdener Hofes überformt: Zwischen 1697 und 1763 sassen zwei sächsische Kurfürsten auf dem polnischen Thron, zunächst August II. (der «Starke») und ab 1734 sein Sohn August III.

Die Studie versteht «Herrschaft» und «Verwaltung» als kommunikative Prozesse. Sie beschreibt das administrative Setting der mensa regia als einen Kontext, in dem König und Hof, adlige Pächter und Funktionäre, städtische Magistrate und bäuerliche Untertanen interagierten, ihre jeweiligen Interessen, Wahrnehmungen und kulturellen Prägungen zur Geltung brachten und dabei die Implementierung von Herrschaft beeinflussten. Im Sinne einer «Strukturgeschichte mit Menschen» (Jan Peters) werden die institutionengeschichtlichen Ausführungen zur Tafelverwaltung durch Einblicke in die administrative Praxis und in die vielfältigen individuellen Lebenswelten der Akteure kontrastiert.