Forschungsprojekte am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte

Lehrstuhl Nada Boškovska

Sortiert nach Jahr

Flexibler Sozialismus der Brežnev-Ära: Menschen, Institutionen und Emotionen in der geschlossenen Stadt Severodvinsk

Maerz 2015 bis Februar 2017

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Dr. Ekaterina Emeliantseva Koller (Project Leader) ekaterina.emeliantseva@uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

The story of the closed city of Severodvinsk, the Soviet centre of nuclear submarine construction, makes an insightful case for deepening our understanding of late Soviet society.
A product of Stalinist industrialization, the city was founded in 1936 as a construction site of a big shipbuilding enterprise on the White Sea coast and built by GULag prisoners. During World War II it was one of the main seaports to receive the lend-lease deliveries, and, given that fact, experienced a strong impact of Western leisure culture. After the war, the presence of foreigners was radically eliminated. For since the mid-1950s, Severodvinsk’s main shipbuilding plant “Sevmash” began to produce nuclear submarines and the following closure of the city for both foreign and Soviet visitors in 1972 led to a higher degree of isolation than in other cities. with other urban population. Simultaneously, the closure of the city allowed to allocate and to channel immense resources. While in other areas of the Soviet Union a gradual slowdown of economic development became visible, this was not the case in Severodvinsk. Especially during the 1970s and the early 1980s the city boomed, assuring its residents of a higher standard of living than enjoyed by surrounding areas.
The development of Severodvinsk epitomized the technocratic and social utopia of late Socialism as the last stage of Soviet industrial modernity.
The study will unfold the specific social texture of the tight city community of Severodvinsk bound by privilege and state control with the analysis of everyday interaction within city institutions such as the submarine construction plant “Sevmash”, the local newspaper “The Worker of the North”, the local history museum, the Severodvinsk drama theatre, the higher education school, the Palace of Culture, and the restaurant “The Wave”.
By focusing on everyday situations within these structures such as a party meetings, company outings or the organization of a state holiday I will showcase such general processes as urbanisation, technisation of everyday or privatisation and localisation of Soviet symbols and rituals. With the special focus on articulation of emotions, the aim is to show how Soviet citizens did interact with institutions while generating new meanings to Soviet values and structures and simultaneously eroding them.
The study of Severodvinsk will show how complex and diverse citizens’ responses to social change during the last Soviet decades were as to be pressed into a firm concept of a submissive “Homo Sovieticus”. Further it will enhance our understanding of Soviet structures and institutions, challenging the traditional narrative of its “stagnation” and “immutability”. Finally, the study will address the general issue of dynamics that led to the transformation and dissolution of the Soviet society and contextualise this process within Eastern and Western understandings of modernity.

„Die beste Stadt des Landes“ – Die Inszenierung der Neugestaltung Taschkents nach dem Erdbeben von 1966 als Vision einer urbanen Moderne

Juli 2014 bis Juli 2016

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boškovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
MA Benjamin Kaelin (Project Leader) ben.kaelin@gmx.ch

Summary/Zusammenfassung

Die projektierte Dissertation setzt sich anhand der Propagandakampagne im Rahmen des Wiederaufbaus von Taschkent nach dem Erdbeben vom 26. April 1966 die Analyse des Diskurses der sowjetischen urbanen Moderne zum Ziel. Im Fokus der Untersuchung liegt dabei folglich die symbolische Bedeutung der Stadt als Zeichen für die Anwendbarkeit des Sozialismus sowjetischer Prägung jenseits seines europäischen Ursprungs. Auch deren Modell- und Signalcharakter im Kontext der sich rapide dekolonialisierenden Welt ist hierbei von grosser Bedeutung. Besondere Beachtung wird im Rahmen der Analyse dem multhiethnischen Charakter der Stadt Taschkent, ihrer kulturellen und religiösen Prägung sowie ihrer Verortung in der geographischen und sozialen Hierarchie innerhalb der Sowjetunion zuteil. Als Ansatz soll daneben auf Basis der Resultate der Untersuchung auch eine Kontextualisierung und Einordnung in ähnliche Prozesse urbaner Modernisierungsmassnahmen und Stadtplanungen auf einer globalen Ebene versucht werden.

Es ist eine Analyse in drei Schritten vorgesehen. Zuerst sollen die theoretischen Grundlagen der modernen sowjetischen Stadt von ihren Anfängen bis in die Sechzigerjahre erarbeitet werden, bevor in einem zweiten Schritt die Anwendung und die Kommunikation dieses theoretischen Modells sowie dessen Inszenierung in Bezug auf das Fallbeispiel Taschkents analysiert werden. In einem dritten Schritt folgt schliesslich der Versuch eines Abgleichens zwischen Ideal und Realität, zwischen den Verheissungen der Moderne und deren Implementierung. Entsprechend gliedert sich auch das Quellenkorpus in drei Teile. Erstens dienen Texte des theoretischen Diskurses über die sowjetische Stadt als Quellen, zweitens ein möglichst breit angelegtes und repräsentatives Sample von Propagandamedien sowie drittens eine kritische Analyse der effektiv realisierten Baumassnahmen und – soweit wie möglich – die sich in Leserbriefen sowie Eingaben an entsprechende Organe manifestierenden Reaktionen der Bevölkerung

"Gesundung Russlands": Hygienepropaganda und Moderne im frühen 20. Jahrhundert

Januar 2014 bis Dezember 2014

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
lic.phil. Angelika Strobel (Project Leader) angelika.strobel@hist.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

Das Dissertationsvorhaben leistet einen Beitrag zu medizingeschichtlichen Forschungen aus sozialgeschichtlicher Perspektive, indem es erstmals verschiedene Schauplätze und Projekte der Hygienepropaganda als präventivmedizinische Praxis in der Spätzeit des russischen Imperiums untersucht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Hygiene, die «Wissenschaft von der Mehrung der Gesundheit», im russischen Imperium nicht nur zu einem dominanten medizinischen Diskurs, sondern für die spätzaristischen Akteure auch zu einer Modernisierungsstrategie. Durch die Linse der Hygienepropaganda will das Forschungsvorhaben sowohl die Bedeutung einer spezifischen staatlichen Organisation und Verwaltung für Gesundheits- und Bevölkerungspolitik als auch die Bedeutung von Gesundheitspolitiken für die Konstituierung politischer und sozialer Interaktionsräume klären.
Nach der Revolution von 1905, in einem halb-parlamentarischen, halb-autokratischen Vielvölkerreich, nahmen heterogene staatliche, halbstaatliche und private Agenturen die Implementierung einer systematisch organisierten Gesundheitsaufklärung mit neuen Propagandamedien (wie mobile Ausstellungen, Dia- und Filmvorträge) in Angriff. Die Dissertation untersucht, inwiefern eine heterogene zaristische Verwaltungsstruktur und ein zum Teil patrimonial organisiertes Gesundheitswesen nicht nur zu gesundheitspolitischer Paralyse und sozialer Segregation, sondern auch zu erhöhter Dynamik, Flexibilität und Vernetzung führen konnten. Es wird danach gefragt, wie unterschiedliche soziale und politische Parteien versuchten, öffentliche Autorität und Diskurshoheit herzustellen und inwiefern Kontroversen entlang dichotomer sozialer und politischer Konfrontationslinien verliefen. Unternehmungen der Hygienepropaganda werden aber nicht nur als Interaktionsraum der Eliten untersucht. In den Präventionspraktiken lässt sich auch ein Wandel in der Beziehung zwischen Eliten und Unterschichten feststellen. Es wird also danach gefragt, wie Hygienepropaganda das Soziale gestaltete, indem sie neue Rollenzuweisungen, Differenzbildungen und soziale Kategorien hervorbrachte und welche Effekte die Popularisierung und Verbreitung medizinischen Wissens auf Subjektivierungsprozesse erzeugten. Popularisierungsmassnahmen implizieren weder ein lineares Diffusionsmodell medizinischen Wissens noch eine widerspruchsfreie Implementierung universaler Normen. Im Dissertationsvorhaben erscheinen ländliche und städtische Unterschichten nicht nur als objektivierte Masse, sondern als historische Subjekte, welche die Modernisierungsdiskurse, soziale und geschlechtsspezifische Zuschreibungen von Krankheiten oder Präventionsmassnahmen der Eliten wiederholen, kritisch reflektieren oder aber auch zurückweisen.
Auf methodisch-theoretischer Ebene wird für Fragen der Verflechtung und Vernetzung der Akteure sowie deren Kontroversen und Rivalitäten von zeitgenössischen sozialen Kategorien und Konzepten der Moderne ausgegangen. Statt mittels eurozentrischer Kategorien und Narrative eine erfolgreiche oder gescheiterte Geschichte der Modernisierung des russischen Imperiums zu schreiben, nimmt das Projekt die jüngst von der russischen Imperiumsforschung und der russischen Begriffsgeschichte aufgestellten Desiderate auf. Die Selbstbeschreibungen imperialer Erfahrung und zeitgenössische Schlüsselbegriffe werden ins Zentrum der Untersuchung gerückt und damit ein Beitrag zur Schliessung der theoretisch-konzeptionellen Defizite in der Historiografie des russischen Imperiums geleistet.

Die «Gesundung Russlands»: Der Hygienediskurs im Zarenreich (1893–1913)

Januar 2012 bis September 2013

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
lic.phil. Angelika Strobel (Project Leader) angelika.strobel@hist.uzh.ch>

Summary/Zusammenfassung

Die Beschäftigung mit und das Sprechen über Hygiene war im 19. Jahrhundert ein transnationales Phänomen, an dem auch russische AkteurInnen grossen Anteil hatten. Im ausgehenden Zarenreich generierte die Hygienebewegung einen spezifischen Diskurs der russischen Moderne. Seine Konzepte und Visionen zielten darauf ab, das Imperium rationaler zu machen, Staat, Gesellschaft und Individuum neu zu definieren und deren gegenseitigen Verhältnisse neu zu ordnen. Durch die Beschreibung der Spannungen, Konflikte und Ungleichheiten im Diskursraum Hygiene möchte diese Untersuchung der «Mehrsprachigkeit» imperialer Erfahrung und Deutung und der «Stimme der Ambivalenz» eine Subjektposition zugestehen. Die Analyse des Hygienediskurses gibt Aufschluss über die Interpretationen der imperialen Gegenwart der ProtagonistInnen und kann zur Beantwortung der Frage nach der sozialen und politischen Agenda der obščestvennost’ (Gesellschaft, Öffentlichkeit), ihrer geistigen Landkarte und ihrem
Selbstverständnis beitragen. Die Untersuchung betrachtet den russischen Hygienediskurs als Interaktionsraum sowohl staatlicher, halbstaatlicher als auch nichtstaatlicher AkteurInnen. Aus dieser Perspektive sollen die Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft sowie die Allianzen und Brüche innerhalb der sozialen Ordnung neu beleuchtet werden. Das Interesse an der obščestvennost’ und
ihrem Verhältnis zur Autokratie greift drei zentrale interdependente Fragen der russischen Historiografie auf: die Frage der extremen sozialen Fragmentierung der spätzaristischen Gesellschaft, die Frage nach einer «liberalen» Alternative zur bolschewistischen Machtergreifung 1917 und die Frage, ob Russland bzw. russische Geschichte als Teil von Europa und seiner Geschichte betrachtet werden kann und soll. Gerade die letztgenannte Frage verweist auf die theoretisch-methodischen Beiträge, die dieses Projekt aufgrund seiner spezifischen Perspektive leisten möchte. Statt mittels eurozentrischer Kategorien und Narrative eine erfolgreiche oder gescheiterte Geschichte der Modernisierung des russischen Imperiums zu schreiben, werden die «Sprachen der Selbstbeschreibung» imperialer Erfahrung ins Zentrum gerückt. Das Projekt fokussiert zudem eine Transfergeschichte medizinischen Wissens jenseits von blosser Adaption oder Imitation und untersucht die transnationale Verwobenheit und Verflechtung dieses Phänomens sowie die Eigenständigkeiten hygienischer Deutungen im russischen Imperium.

Beständigkeit und Wandel der ländlichen Gesellschaft der Walachei im 17. Jh. zwischen lokalen Akteuren und imperialem Transfer

Maerz 2011 bis Februar 2012

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
M.A. Daniel Ursprung (Project Leader) daur@access.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

How did the rule of a pre-modern empire influence the everyday life of the inhabitants in its border zones? This is the central question of the present study that deals with the autonomous principality of 17th century Wallachia, a country at the margin of ottoman imperial influence. Recent scholarship in ottoman studies has focused on imperial borderlands and border zones. However, the scientific discus-sion was almost exclusively concerned with the proper imperial territory. Wallachia however presents a case of a dependent territory with a particular status and a domestic Christian elite, where the Otto-man influence manifested itself only indirectly, especially by the appointment of the princes and trib-ute-levying.
The main hypothesis is that these circumstances led to profound changes in the social structure of Wallachia, enabling possibilities of social advancement across all social levels, thus calling into ques-tion the still widespread assumption of the “Ottoman yoke”. The indirect Ottoman rule triggered the emergence of a heterogenous, loosely connected intermediary social category that was the main agent of executing what can be considered Ottoman financial and political domination. Locals participated thus to their own benefit in the indirect Ottoman rule and used the increasing external pressure of tax-levying to strengthen the administrative machinery within Wallachia.
The question to answer is how strong these changes permeated the society on the local level, in the countryside, on the level of villages, and to what extent it affected everyday life. Therefore, research will be conducted using the example of local case-studies that became possible owing to the increasing number of publications concerned with local history. Their poor scientific and methodological stand-ard notwithstanding, they are indispensable due to the compilation of the relevant sources. The thesis intends to differentiate the existing view of Wallachia as a relatively homogenous region. The hitherto done research for the present project reveals the importance of specific small-scale constellations: the effects of Ottoman rule were by far not uniform, but depended in large measure on the particular local situation, determined not only by “structure” (e.g. geography), but to a considerable degree on “agen-cy”, the specific constellation of local players and their freedom of action. The type of relationship they established between themselves is not seen as emerging out of normative conditions (like “serf-dom”), but as the result of a permanent struggle for the rules of social interaction. Such inductive ap-proaches, based on empirical findings, are more appropriate than deductive research to enrich our knowledge about how everyday life and social structures in 17th century wallachian villages were transformed as effect of the imperial rule of the Ottoman Empire.

Die Aussenpolitik der Ersten Tschechoslowakischen Republik und der Völkerbund 1919-1938

Maerz 2012 bis November 2012

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
lic.phil. Daniel Jetel (Project Leader) daniel.jetel@uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

From its founding in 1918 up to the Munich Agreement of September 1938 the main foreign-policy objective of the First Czechoslovak Republic (ČSR) was to preserve the independence and territorial integrity against aggression from abroad. The chief actors of the Czechoslovak foreign policy saw this goal best achieved by a narrow cooperation with the victorious powers of the First World War. This thinking resulted in several bilateral security treaties. In 1919 a new option was added to the traditional security policy instrument of pacts and alliances: The League of Nations as the first permanent and universal international governmental organization in history. The principal objective of the organization based in Geneva was to preserve peace and give security for its members. In order to meet this objective, the Covenant of the League of Nations established new rules and methods of conflict prevention, peaceful settlement of international disputes and collective security.
The First Czechoslovak Republic was not only a member of the League throughout the whole period of the state’s existence, Czechoslovak diplomats also proved to be strong supporters of the Geneva new world organization. This was especially the case with the long-term foreign minister Edvard Beneš. However, a comprehensive work on the activities of Czechoslovakia in the League of Nations is still lacking. The doctoral dissertation intends to fill this gap by examining the role of the League of Nations as an instrument of peace and security in the First Czechoslovak Republic’s foreign policy.
Two levels have to be taken into account: First, the actors’ attitude towards questions and problems in connection with the League’s security apparatus. This concerns in particular the Czechoslovak position towards the numerous attempts to amend, modify or supplement the Covenant of the League. Second, the role of the League as an instrument of peace and security in the field: To what extend did Czechoslovak decision-makers draw upon the League for settling international disputes or conflicts in which their country was involved? What was the behaviour of the Czechoslovak diplomats when main disputes between third parties were dealt with in Geneva? Did they act in conformity with the Covenant in order to strengthen the League?
The dissertation is largely based on documents from the League of Nations Archives in Geneva, the Archives of the Foreign Ministry of the Czech Republic and the Archives of the Masaryk-Institute in Prague.

Tito, Nehru, Nasser und die Blockfreienbewegung 1950–1965. Beziehungsgeschichte einer Politikerfreundschaft

Oktober 2007 bis Juni 2011

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
Dr. Natasa Miskovic (Project Leader) miskovic@access.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

This research project explores the relationship between the three statesmen Jawaharlal Nehru, Josip Broz Tito, and Gamal Abdel Nasser. Starting from the assumption that they were connected to each other by a personal friendship which went beyond correlating interests and power politics, it aims at reconstructing the history of this relationship from each politician’s point of view. In doing so, it equally focusses on the three friends’ emotionality, individual interests, and joint political goals, in particular the founding of the Non-Aligned Movement. Cultural factors will be considered as connecting elements, for example the experience of foreign rule shared by all three statesmen, their personal backgrounds, and the everyday life during their meetings.
The study concentrates on Yugoslavia, India and Egypt. The colonial power Great Britain, the United States of America and the Soviet Union, and the Bandung states will be examined as far as necessary. The time period reaches from 1950 to 1965, beginning with the start of diplomatic relations between India, Egypt, and Yugoslavia after World War II, and ending shortly after Nehru’s death.
Combining a historical-anthropological, „life world“ methodology with the latest reflections of the new, culturally oriented political history and postcolonial studies, this research project aspires to provide new results and insights to the history of the Cold War, postcolonialism, and the Non-Aligned Movement.

Administrative Culture in the late Polish Nobels’ Commonwealth (1750-1795)

April 2005 bis September 2010

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Dr. Peter Collmer (Project Leader) p.collmer@access.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

This project brings together three fields of historical research: 18th century Poland (time and region), administrative history (material focus), and new cultural history (perspective and methodical approach). By analyzing and comparing administrative practices under different forms of rulership (monarchy, demesne lordship, communal administration, church) the study aims to make visible Polish administrative culture(s) of the late nobles’ commonwealth (1750-1795). A cultural approach to administrative history goes beyond the traditional descriptions of institutions. It is interested in the human factor within an institutional framework. It wants to find out how people’s mentalities, thoughts and feelings influence the functioning of structures and, on the other hand, how individuals are acculturated to collective mental dispositions and normative realities of an administrative system. This type of analysis will result not only in micro-historical insights, but also in a deeper understanding of the state as a whole. The project will thus elucidate the question whether there is a connection between the specific administrative culture and the decline of the Polish commonwealth in the 18th century.
The study will rely on extended archival research in Poland, first of all in the Archiwum Glówne Akt Dawnych (Central Archives of Historical Records) in Warsaw.

Institution, staatliche Identität, Gesellschaft. Der Staatsbildungsprozess in Kosovo seit 1999 als Wechselspiel zwischen internationalen und lokalen Akteuren Statebuilding in Kosovo since 1999 as Interaction between international and local actors

April 2007 bis Juni 2010

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch
Dr. Andreas Ernst (Project Leader) ernsta@access.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

The project analyzes institution building in Kosovo since the arrival of the UN-mission in Kosovo (Unmik) 1999 and reconstructs the discourse of state-identity. We focus on the development of judiciary as nucleus of statehood. When Unmik arrived, local elites had already established informal structures. The following implementation of new institutions was not a top-down bureaucratic operation, but turned out to be a painstaking series of conflicts between “internationals” and “locals”, with negotiations, changing coalitions and double-crossing between all parties involved. Also the discourse of state-identity is influenced by different expectations. Unmik insists on an inclusive multi-ethnic “Kosovar umbrella identity”, covering not only the Albanian majority, but Serbs, Roma, Turks and others. But for the majority of the political elite the state-identity of Kosovo is based on the “war of liberation” against the Serbs – in other words on ethnic ground. There is an additional difference between an all-Albanian identity and a specific Kosovo-Albanian identity.

Literature about “nationbuilding” tends to be quite a-historical and often rushes to so-called lessons learned. We try to model the process of statebuilding as an encounter between international and local actors, with their respective agendas, backgrounds and traditions. By analyzing the decision-making and negotiating process, and finally the appropriation of institutions by local stake-holders, we try to understand how statebuilding really works. Methodically we rely on the analysis of documents, laws and regulations produced by Unmik and the provisional local institutions. Media content analysis will cover the public discourse and last but not least extensive interviews with local and international actors should reveal the perspectives of decision makers.

Vom Umgang mit einer schwierigen Vergangenheit: Kroatien und der Zweite Weltkrieg

Maerz 2003 bis August 2008

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Nada Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

So intensiv der Zweite Weltkrieg und insbesondere der Holocaust auch erforscht wurden und werden, Kroatiens Weltkriegsvergangenheit ist bisher ausserhalb eines kleinen Kreises von Südosteuropa-Historikerinnen und -Historikern kaum zur Kenntnis genommen worden. Das ist insofern erstaunlich, als von 1941 bis 1945 ein grosskroatischer Staat existierte, dessen faschistisches Ustascha-Regime eine Ver-folgungs- und Vernichtungspolitik gegenüber den Minderheiten betrieb. Bis zum Ende des Krieges wurden mehrere hunderttausend Menschen – Serben, Juden und Roma – aus rassischen Gründen ermordet.
Im Rahmen des Projektes wird untersucht, in welcher Weise in Kroatien nach 1945, insbesondere aber seit der Unabhängigkeit 1991 die Zeit des Ustascha-Staates erinnert und dargestellt wurde und wird. Einen Teil des Untersuchungsgegenstandes bildet die Beschäftigung der professionellen Historiographie mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Des weiteren wird der behördliche Umgang mit der Vergangenheit erforscht und als dritter Aspekt die Beschäftigung mit dem Ustascha-Staat in der Gesellschaft untersucht. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie relevant diese Periode im öffentlichen Diskurs seit der Unabhängigkeit war und in welcher Weise die Beschäftigung mit ihr erfolgte.

Jugoslawisch-Makedonien 1918-1941. Eine Randregion zwischen Repression und Integration.

Oktober 1999 bis September 2001

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Dr. N. Boskovska (Project Leader) bonada@hist.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

The aim of the project is to investigate how Belgrade was treating Yugoslav Macedonia between the two World Wars, a region which was claimed as genuin Serb by Serbia and which braught along quite a few problems: Exreme economic backwardness was intermixed with ethnic variety and destabilising activities of separatist terror groups. How should, under these circumstances, the quite newly aquired territory be integrated into the state? Especially in the beginning, until the the royal dictatorship of 1929, the treatment was harsh and repressive. In this research project, the methods used hereby should be investigated on the one hand and on the other hand their effects on the attitude of the Macedonian population towards the state.
But then it should be also explored what other ways of integration were tried. Were there any temptations for an economic development of this region which had been under Ottoman rule for more than 500 years? Did a modernisation occur, even partially, and brought some consequences connected with it: e.g. infiltration with institutions (others than police and army), participation, education, intensified communication, national integration, economic progress? Was it possible to create, to some extent, loyal citizens out of the population, or to raise at least cooperative elites?
In the end, the question will be posed whether Macedonia was a kind of exeption in Yugoslavia or whether her experience was shared by other regions.

Prof. Dr. Jeronim Perović

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Energie und Macht: Eine kulturgeschichtliche Betrachtung von der frühen Sowjetzeit bis zum Russland der Gegenwart

Maerz 2011 bis Februar 2017

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Jeronim Perovic (Project Leader) jeronim.perovic@hist.uzh.ch
Felix Rehschuh felix.rehschuh@hist.uzh.ch
Dunja Krempin dunja.krempin@hist.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

Energie und Macht stehen in engen und wechselseitigen Beziehungen. Bereits die Bolschewiki der frühen Sowjetzeit schrieben der Energie mehr als nur eine volkswirtschaftliche Bedeutung zu. In ihrem ideologisierten Verständnis hatte die Energiegewinnung immer auch machtpolitischen und gesellschaftlichen Stellenwert. Energetische Grossprojekte symbolisierten den utopischen Fortschrittsgedanken und eigneten sich im Rahmen agitatorischer Kampagnen zur Mobilisierung der Gesellschaft. Die Steigerung der Energiegewinnung wurde gleichgesetzt mit einer Vermehrung von Macht, die nicht nur nach innen, sondern auch nach aussen ausstrahlen sollte.

Im Mittelpunkt der Forschung steht der Erdöl- und Erdgassektor, der wie kein anderer Wirtschaftszweig innere und äussere Aspekte der Macht vereint: Erdöl war seit der frühen Sowjetzeit nicht nur zur Treibstoffgewinnung und für den Unterhalt der Armee wichtig, sondern hatte auch als Exportgut grosse Bedeutung. Erdgas wurde in der späteren Sowjetzeit zum wichtigsten primären Energieträger. Der Transport von Erdgas über Gaspipelines zwischen Sibirien und Europa schuf zudem energetische Abhängigkeiten, die bis heute das bestimmende strukturelle Element der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Russland darstellen und entsprechend grossen Einfluss auf die politischen Beziehungen zwischen Ost und West haben.

Dieses Projekt will über die herkömmlichen Ansätze der Politik- und Ereignisgeschichte hinausgehen und sucht diese mit Elementen der Kulturgeschichte zu vereinigen. Dabei bietet sich die Energiepolitik deshalb besonders gut auch für eine kulturgeschichtliche Betrachtung an, weil sowohl der sowjetische wie auch der heutige russländische Staat bei der Formulierung und Umsetzung energiepolitischer Massnahmen jeweils immer auch mit symbolischen Elementen operierten: Ein Bauwerk, ein Plakat, eine Handlung oder auch nur ein Wort vermögen bestimmte Vorstellungen oft besser an die Gesellschaft zu kommunizieren als dies tausend Worte tun könnten. Über das Nachzeichnen energiepolitischer Entscheidungsprozesse soll verständlich gemacht werden, wie zu verschiedenen Zeiten über die Umgestaltung der Gesellschaft, die Organisation der politischen Macht oder die internationalen Beziehungen nachgedacht wurde.

Konkret soll der energetischen Entwicklungsweg der Sowjetunion und Russlands im Rahmen von vier eigenständigen Teilprojekten dargestellt werden: Untersucht wird die Bedeutung des Öls in der frühen Sowjetzeit, der Charakter der Stalinschen Erdölkampagne in der Nachkriegszeit, die Merkmale der energetischen Erschliessung Westsibiriens in der späten Sowjetzeit und die Rolle fossiler Energieträger im Russland der Gegenwart.

Sicherheit, Krieg und Frieden in der Sowjetunion und Russland

Januar 2013 bis Dezember 2015

Project leadership and contacts / Projektleitung und Kontakte

Prof. Dr. Jeronim Perovic (Project Leader) jeronim.perovic@@hist.uzh.ch
Dr. Philipp Casula philipp.casula@hist.uzh.ch

Summary/Zusammenfassung

Das Projekt untersucht, wie sich die sowjetischen und russländischen Sicherheitsbegriffe verändert und entwickelt haben. Sicherheit wird an der Schnittstelle zwischen Krieg und Frieden lokalisiert, sodass deren Darstellung, besonders in visuellen Medien, in den Mittelpunkt des Projekts rückt. Die Untersuchung strukturiert sich um Schlüsselereignisse der Ära Brežnev und des gegenwärtigen Russlands. Gemeinsamkeiten und Unterschiede, gerade im Hinblick auf den Sicherheitsbegriff, machen eine vergleichende Analyse der beiden Zeiträume besonders spannend. Dabei werden theoretisch und methodisch verschiedene Ansätze verbunden. Theoretisch werden Diskurstheorie und securitization-Theorem kombiniert. Methodisch werden vor allem visuelle Medien untersucht, wie Filme oder Plakate, aber auch Zeitzeugen befragt.

Entsprechend den inhaltlichen Zielen gliedert sich das Vorhaben in zwei Subprojekte: Im Zentrum des ersten Teilprojekts steht die bislang noch wenig erforschte Brežnev-Ära. Der untersuchte Zeitraum (1968-1982) sticht hervor als eine Epoche der Widersprüche mit Blick auf die Darstellung von Krieg und Frieden: Das offizielle Bild der Sowjetunion als Friedensmacht spiegelte sich zwar zunächst in der Détente wider, liess sich aber nur schwer mit einer an der Wahrung von Einflusssphären orientierten Aussenpolitik vereinbaren (Beispiel: Afghanistan 1979). Frieden und Stabilität unter Brežnev waren immer brüchig und hinter Fassaden von Völkerfreundschaft und Internationalismus, wie besonders während der Olympischen Spielen 1980, schimmerten Unsicherheit und Krieg. Das zweite Teilprojekt richtet den Blick auf die Periode 2000-2012, die ebenfalls Stabilität und Sicherheit als politisches Leitmotiv hatte. Krieg und Frieden fanden auch in diesem Zeitraum unterschiedliche Darstellungen, die symbolisch disparate Entwicklungen verbinden mussten: So sprach die Führung unter Putin zwar von einer Befriedung Tschetscheniens, doch setzte sich der Konflikt unter neuen Vorzeichen auch in den Nachbarrepubliken fort. Verschiedene Terroranschläge in Moskau sorgten für Risse im Bild einer aufstrebenden und prosperierenden Metropole. Auch die Stabilität unter Putin war demnach zerbrechlich und nicht widerspruchsfrei.

Das Projekt untersucht sicherheitsrelevante Schlüsselmomente in beiden Perioden und fragt nach der Repräsentation 1) von Krieg, 2) von Terrorismus und 3) eines prekären Friedens. Es entsteht ein bildliches Kompendium sowjetisch-russischer Sicherheit, das zum besseren Verständnis vergangener und gegenwärtiger Innen- und Aussenpolitik des Landes beiträgt.