Lehrangebot HS 2013

Lehrveranstaltungen HS 2013

HS 2013

Kulturgeschichte der Ernährung im Mittelalter

Vorlesung
Montag, 16:15-18:00 Uhr
KO2-F-150

Vorlesungsverzeichnis OLAT-Kurs

Dozierende

Dorothee Rippmann Tauber

Inhalt

Nahrungsbeschaffung und – zubereitung gehören zu den wichtigsten Kulturtechniken jeder Gesellschaft. Der Rhythmus der Mahlzeiten strukturiert den Alltag, Mahlzeiten heben den Festtag als Abwechslung vom Alltäglichen heraus, sie dienen den gesellschaftlichen Eliten zur Repräsentation und zur Eigendefinition. Anhand von Nahrungsgewohnheiten und –präferenzen lassen sich Merkmale historischer Gesellschaften analysieren, weil Lebensmittel und Gerichte Zeichencharakter haben und die Sprache des Essens (Montanari) Codes für gesellschaftliche Wahrnehmung, Werthaltungen, soziale Hierarchien und Gruppenidentität bereithält. Themen der Vorlesung sind das Sozialprofil einiger Konsumententypen (Fürsten; Adel; Kaufleute; Arme und Hospitalinsassen; städtische und ländliche Arbeitskräfte), verschiedene Ernährungsstile; Essen als kultureller Code am Beispiel der monastischen Essgewohnheiten und des grössten Fürstenhofs im Abendland, des päpstlichen Hofs in Avignon; Normen der Ernährung wie u.a. die liturgischen Abstinenz- und Fastenregeln; der medizinisch-diätetische Diskurs über Ernährung im Spiegel von Gesundheitslehren; Nahrungstabus; Einstellungswandel gegenüber den kirchlichen Nahrungsvorschriften in der Reformationszeit (Zwingli, Erasmus), die Frage kultureller Kontinuitäten nach der Reformation.

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweise: Audoin-Rouzeau, Frédérique /Françoise Sabban (Hg.), Un aliment sain dans un corps sain. Perspectives Historiques, 2007. -- Bennett, Judith M., Ale, Beer, and Brewsters in England. Women’s Work in a Changing World, 1300–1600, 1996. -- Krug-Richter, Barbara, Zwischen Fasten und Festmahl. Hospitalverpflegung in Münster 1540–1650, 1994. -- Montanari, Massimo, Der Hunger und der Überfluss. Kulturgeschichte der Ernährung in Europa, 1993. -- Laurioux, Bruno, Tafelfreuden im Mittelalter: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in Bildern und Dokumenten, 1992. -- Rippmann, Dorothee, Der Körper im Gleichgewicht. Ernährung und Gesundheit im Mittelalter, in: Medium Aevum Quotidianum 52, 2005. -- Scully, Terence, The Art of Cookery in the Middle Ages, 1995. -- Weiss, Stefan, Die Versorgung des päpstlichen Hofes in Avignon mit Lebensmitteln (1316-1378), 2002.

Hexenverfolgung im Mittelalter

Seminar
Donnerstag, 14:00-15:45 Uhr
KOL-H-321

Vorlesungsverzeichnis OLAT-Kurs

Dozierende

Dorothee Rippmann Tauber

Inhalt

Seit den 1420er Jahren fanden im Alpenraum (Grenzraum I – F – CH) die ersten Verfolgungen von Frauen und Männern statt. Sie wurden von weltlichen und geistlichen Obrigkeiten des Schadenzaubers und auch des angeblichen Verbrechens des Maleficium beschuldigt: Teufelsbund und Abfall von Gott. Wie es zum neuen „Hexenbild" – einem künstlichen Konstrukt - und den auf dem Prinzip des Inquisitionsverfahrens beruhenden Prozessen kommen konnte, hat die neuere Forschung (v.a. Universität Lausanne) untersucht. So entwickelte sich das neue klerikale Hexenkonzept – im Prinzip ein Hirngespinst – aus der Häresiebekämpfung. Beschuldigungen von Leuten seitens ihrer Nachbarn führten jeweils dann zur Verderbnis, wenn die lokalen Machthaber im Zusammenhang mit der Ausbildung bzw. Festigung von Landesherrschaft ein aktives politisches Interesse an der Durchführung von Prozessen und der öffentlichwirksamen Urteilsvollstreckung besassen. Im Seminar befassen wir uns mit der neuesten Forschung und mit der Lektüre von Prozessakten und dämonologischen Schriften. Wir verfolgen den direkten Zusammenhang schweizerischer Hexenprozesse mit der ersten Verfolgungswelle in Deutschland (Heidelberg).

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweise: Andenmatten, B./Utz Tremp, Kathrin, De l'hérésie à la sorcellerie. L'inquisiteur Ulric de Torrenté OP (vers 1420–1445) et l'affermissement de l'inquisition en Suisse romande, in: ZSKG 86 (1992), S. 69–119. -- Blauert, A., Frühe Hexenverfolgungen. Ketzer-, Zauberei- und Hexenprozesse des 15. Jahrhunderts 1989. -- Ders. (Hg.), Ketzer, Zauberer und Hexen. Die Anfänge der europäischen Hexenverfolgungen, 1990 . -- Labouvie, Eva, Männer im Hexenprozess: zur Sozialanthropologie eines „männlichen" Verständnisses von Magie und Hexerei, in: GG 16 (1990)/1, S. 56–78. -- Levack, B. P., Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, 1995. -- Ostorero, Martine et al. (Hg.), Chasses aux sorcières et démonologie: entre discours et pratiques, 2010. -- Dies./Agostino Paravicini Bagliani/Kathrin Utz Tremp (Hg.): L’imaginaire du sabbat. Edition critique des textes les plus anciens (1430 c – 1440 c.), 1999. -- Schmidt, J., Glaube und Skepsis. Die Kurpfalz und die abendländische Hexenverfolgung 1446–1685, 2000.

LizenziandInnen- / Master- / Doktorierendenkolloquium (Höfert/Rippmann/Sandl)

Kolloquium
Donnerstag, 16:16-18:00 Uhr, ab 03.10
KO2-F-153

Vorlesungsverzeichnis

Dozierende

Almut Höfert, Marcus Sandl, Dorothee Rippmann Tauber

Texte zum Essen. Kulturgeschichte der Ernährung im Mittelalter

Kolloquium
Mittwoch, 10:15-12:00 Uhr
KO2-F-153

Vorlesungsverzeichnis OLAT-Kurs

Dozierende

Sebastian Scholz, Dorothee Rippmann Tauber

Inhalt

Das Kolloquium ist als Ergänzung zur Vorlesung "Kulturgeschichte der Ernährung im Mittelalter" konzipiert. Es kann aber auch alleine gebucht werden. Zur Quellenarbeit: Gelesen und übersetzt werden edierte lateinische und volkssprachliche Quellen sowie unedierte Quellen aus Archiven. Zur Literaturarbeit: Lektüre einschlägiger Artikel zu den besprochenen Themen. Nahrungsbeschaffung und – zubereitung gehören zu den wichtigsten Kulturtechniken jeder Gesellschaft. Der Rhythmus der Mahlzeiten strukturiert den Alltag, Mahlzeiten heben den Festtag als Abwechslung vom Alltäglichen heraus, sie dienen den gesellschaftlichen Eliten zur Repräsentation und zur Eigendefinition. Anhand von Nahrungsgewohnheiten und –präferenzen lassen sich Merkmale historischer Gesellschaften analysieren, weil Lebensmittel und Gerichte Zeichencharakter haben und die Sprache des Essens (Montanari) Codes für gesellschaftliche Wahrnehmung, Werthaltungen, soziale Hierarchien und Gruppenidentität bereithält. Themen den Kolloquiums sind das Sozialprofil einiger Konsumententypen (Fürsten; Adel; Kaufleute; Arme und Hospitalinsassen; städtische und ländliche Arbeitskräfte), verschiedene Ernährungsstile; Essen als kultureller Code am Beispiel der monastischen Essgewohnheiten und des grössten Fürstenhofs im Abendland, des päpstlichen Hofs in Avignon; Normen der Ernährung wie u.a. die liturgischen Abstinenz- und Fastenregeln; der medizinisch-diätetische Diskurs über Ernährung im Spiegel von Gesundheitslehren; Nahrungstabus; Einstellungswandel gegenüber den kirchlichen Nahrungsvorschriften in der Reformationszeit (Zwingli, Erasmus), die Frage kultureller Kontinuitäten nach der Reformation.

Unterrichtsmaterialien

Literaturhinweise: Flandrin, Jean-Louis/Massimo Montanari. (Hg.), Histoire de l’alimentation, Paris 1996. -- Laurioux, Bruno, Tafelfreuden im Mittelalter: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in Bildern und Dokumenten, 1992. -- Rippmann, Dorothee, Der Körper im Gleichgewicht. Ernährung und Gesundheit im Mittelalter, in: Medium Aevum Quotidianum 52 , 2005, 20–45. -- Scully, Terence, The Art of Cookery in the Middle Ages , 1995. -- Wierlacher, Alois et al. (Hg.), Kulturthema Essen. Ansichten und Problemfelder, 1993. -- Burnett, Charles, Sapores sunt octo: The Medieval Latin Terminology for the Eight Flavours. In: I cinque sensi / The Five Senses (Micrologus. Natura, scienze e società medievali, 10), Florenz 2002, S. 99-112.