Anna Becker

Anna Becker, Dr.

Postdoc

Tel.: +41 44 634 57 79

Raumbezeichnung: CUB F 08

annakatharina.becker@uzh.ch

Anna Becker studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Recht in Bonn, Berlin und Mailand. Sie hält ein Diplom in Politikwissenschaft von der Freien Universität Berlin und einen Master (MPhil) in History of Political Thought von der Universität Cambridge. Sie promovierte an der Universität Cambridge mit einer Dissertation über „Gender and Political Thought in Northern Italy and France c.1420 – c.1586“. Von 2011-17 war sie Assistentin am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Basel. Hier arbeitete sie an einer Habilitation zum Thema Bodies that matter. The materiality of the Body Politic 1500-1750. Ihre Forschungsinteressen liegen in der Geschichte der politischen Theorie im vormodernen Europa mit besonderem Interesse am Aristotelismus und der Geschichte der praktischen Philosophie, der Geschlechtergeschichte und Konzeptionen der politischen Gemeinschaft und des Haushalts (Ökonomie). Sie hat zu diesen Themen und zu Niccolò Machiavelli, zu Jean Bodin, und zu Kontinuitäten und Veränderungen in Mittelalter und Renaissance publiziert. Im Jahr 2014 wurde ihr „The Balzan Skinner Fellowship for Modern Intellectual History“ an der Universität Cambridge verliehen.

Seit 2017

wissenschaftliche Mitarbeiterin am SNF-Projekt “Geschlechterambiguitäten in Wissens- und Herrschaftsordnungen des arabischen und lateinischen Mittelalters”

Teilprojekt: „Fragile masculinities? 1250-1500“

Historisches Seminar der Universität Zürich

2014-2015

Sechster Balzan Skinner Preis und Fellowship for Modern Intellectual History

CRASSH, University of Cambridge

2011-2017

Wissenschaftliche Assistentin für Geschichte der Frühen Neuzeit

Departement Geschichte der Universität Basel

(Lehrstuhl Claudia Opitz-Belakhal) 

Habilitationsprojekt: „Politics that matters. The materiality of the body politic 1500- 1750“

2006-2010

History Faculty, University of Cambridge, UK

PhD Gender and Political Thought in Northern Italy and France c.1420 – c.1586

2005-2006

History Faculty, University of Cambridge, UK

MPhil History of Political Thought

1999-2005

Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin

Diplom Politikwissenschaft

2002-2003

Università degli Studi di Milano, Italien

Erasmus Stipendium, Fakultät Politikwissenschaften

1998-2002

Mitarbeiterin bei Mitglied des Deutschen Bundestages, Willi Brase, MdB, Deutscher Bundestag, Bonn und Berlin

1997-1999

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Grundstudium Politikwissenschaft, Geschichte, Rechtswissenschaften

 

Teilprojekt

Im Rahmen der übergeordneten Fragestellungen des SNF-Projekts bearbeitet Anna Becker in ihrem Teilprojekt „Fragile masculinities? Gender in political thought 1250-1600“ zwei miteinander verbundene Aspekte.

Zum einen untersucht das Projekt die Verquickung von Vergewaltigung weiblicher Körper und der Geburt von Staatskörpern. Es wird gezeigt, dass der republikanische corpus politicum nicht eine abstrakte Metapher war, sondern einen materiellen Aspekt der Körperlichkeit besass. Das Entstehen der römischen Republik war ein geschlechtlicher und verkörperten Akt. Von Augustinus über Hieronymus, von Thomas von Aquin bis Coluccio Salutati wurde Vergewaltigung und weiblicher Freitod in langer Tradition mit der Entstehung von Republiken verbunden, mit bürgerlicher Freiheit und dem guten Leben unter republikanischen Gesetzen. Durch Lucretias Vergewaltigung wurden Kernthemen des republikanischen Denken, wie Sklaverei und Tyrannei, thematisiert und symbolisiert. Gewalt an, und die Zerstörung von, weiblichen Körpern, so das Argument, sind untrennbar mit dem Gut des corpus rei publicarum verbunden.

Zum anderen geht das Projekt der Frage nach, inwiefern aussereuropäische Kontakte politische Kategorien in Europa beeinflussten. Ähnlich wie die Frage nach Geschlecht, ist die Frage nach transkulturellen Aspekten in der Geschichte der vormodernen politischen Theorie wenig erforscht. Dazu wird ein Aufsatz „Oriental Despotism before despotisme oriental? Female Bodies, Mughal Regime in English and French Political Thought“ erscheinen, der zeigt, dass in vormodernen englischen und französischen Reiseberichten die Natur der (muslimischen) Mogulherrschaft durch detaillierte Beschreibung der Geschlechterbeziehungen bei Hofe erforscht wurden. Dabei wurden der politischen Kraft von Frauen und deren Körpern viel Raum zugestanden; Geschichten über weibliche Machtträgerinnen wurden in Reiseberichten immer wieder kolportiert. Diese Reiseberichte wurden von politischen Denkern begierig aufgenommen, die sie dazu nutzten, durch die Kontrastierung mit dem vermeintlich Fremden den Zustand des Commonwealth in Europa zu beurteilen - und zu kritisieren. Zudem werden zwei Aufsätze über die Geschichte von Männlichkeit und ihrer Verhandlung, über Eroberung und hegemonialer Macht anhand der Wahrhaftigen Kommentare zum Reich der Inka von El Inca Garcilaso de la Vega erarbeitet. Der Sohn eines spanischen Konquistadors und einer Inkaprinzessin stellte in seinem 1609 erschienenen Werk die Dominanz europäischer Männlichkeit ausdrücklich in Frage und konstruierte eine neuweltliche Männlichkeit, die auf Prinzipien von Komplementarität der Geschlechter basierte.

Das Teilprojekt wird damit im Sinne des Gesamtprojekts konkrete Forschungslücken zu Geschlecht im politischen Kontext schliessen. Es leistet einen methodischen Beitrag im Sinne des Gesamtprojekts, in dem es zum einen essentialistische Geschlechtsbilder und zum anderen den strukturellen Eurozentrismus in Frage stellt.