Forschung

Habilitationsprojekt

Kaiser, Kalifen und ihr Verhältnis zur religiösen Elite. Der imperiale Monotheismus in der römisch-byzantinischen, arabischen und lateinischen Universalmonarchie im Früh- und Hochmittelalter

Neben der theoretischen und empirischen Fundierung der transkulturellen Perspektive wird in dieser Habilitation die These vertreten, daß die byzantinische, lateinische sowie die arabischen Universalmonarchien in einer gemeinsamen Entwicklungslinie stehen und aus den spätantiken Ursprüngen ein gemeinsames Grundmuster über das Verhältnis von Religion und Herrschaft entwickelten, das sie innerhalb ihrer jeweiligen Ökumenen unterschiedlich variierten. Damit wendet sich diese Arbeit gegen einen zuweilen postulierten fundamentalen Unterschied zwischen christlichen und islamischen Herrschaftsentwürfen sowie die Annahme, daß es in der islamischen Geschichte keine konzeptionelle Unterscheidung zwischen einer politischen und religiösen Sphäre gegeben habe.

SNF-Projekt

Geschlechterambiguitäten in Wissens- und Herrschaftsordnungen des arabischen und lateinischen Mittelalters

Dieses Projekt befasst sich mit der bisher eher vernachlässigten Erforschung von Geschlechterkonzeptionen und –praktiken in mittelalterlichen Herrschafts- und Wissensordnungen. Dabei adressiert es jeweils konkrete Forschungslücken und leistet gleichzeitig einen Beitrag zu allgemeinen methodischen Grundsatzfragen der Geschichtswissenschaft.

Zum einen wird die Beteiligung zölibatärer Männer als integraler Bestandteil mittelalterlicher Herrschaftssysteme erforscht, die in Europa und dem Nahen Osten zwar ähnlich strukturell integriert war, aber jeweils ganz unterschiedlich realisiert wurde. Während im lateinischen Mittelalter die Kirchenfürsten ebenso wie die weltlichen Territorialherren selbstverständlich Herrschaftsrechte ausübten, waren sie als Priester dem kirchlichen Ideal von Askese und Zölibat grundsätzlich verpflichtet und konnten keinen ehelichen Nachwuchs zeugen. An nahöstlichen Höfen finden sich wiederum zahlreiche Eunuchen als Regenten, Kriegsherren, hochrangige Verwaltungsbeamte und Diplomaten, deren hochgeschätzte Loyalität zum Herrscherhaus aufgrund der fehlenden Nachkommenschaft gesichert wurde. Das Projekt untersucht diese beiden Gruppen der herrschenden Eliten aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen zunächst jeweils für sich und fragt im zweiten Schritt nach strukturellen Parallelen in den damaligen politischen Systemen.

Der zweite Bereich des Projekts befasst sich mit mittelalterlichen Konzeptionen physischer Zwei- und Zwischengeschlechtlichkeit, den Hermaphroditen. Während in der Gegenwart die Kategorisierung intersexuell geborener Menschen in die Dichotomie von Junge/Mädchen erst seit kurzem problematisiert wird, gab es im Preußischen Landrecht noch bis ins 19. Jahrhundert die Kategorie des „Zwitters“. Auch in der vormodernen Scharia war der Zwitter eine gängige Rechtsfigur. Dieses Teilprojekt untersucht die bisher wenig studierten lateinischen und arabischen Quellen zum mittelalterlichen Hermaphroditismus und fragt ebenfalls nach Unterschieden, Parallelen und Verflechtungen in der europäischen und nahöstlichen Geschichte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse über damalige Vorstellungen von Geschlechterambiguitäten werden dann zu den jeweils unterschiedlichen Geschlechterkonzeptionen der zölibatären Männer, die sich jeweils eine Sonderrolle in den damaligen Geschlechterordnungen einnahmen, in Bezug gesetzt werden.

Damit soll das Gesamtprojekt jeweils konkrete Forschungslücken zu Geschlechterambiguitäten und Männlichkeiten im politischen und kulturgeschichtlichen Kontext schließen. Gleichzeitig leistet es einen methodischen Beitrag zur derzeit aktuellen Frage, wie der strukturelle Eurozentrismus der Geschichtswissenschaft durch die systematische Einbeziehung außereuropäischer Quellen durchbrochen werden kann. Gleichzeitig soll das Projekt die Geschichtswissenschaft stärker dafür sensibilisieren, dem derzeit vorherrschenden öffentlichen Islambild entgegenzutreten, das die Vielfalt historischer Gesellschaftsentwürfe in der islamischen Geschichte ignoriert und einen vermeintlich starren Islam als Gegenschablone zu einem stets dynamischen Europa setzt.