Konrad von Mure

An der in karolingischer Zeit entstandenen Stiftsschule am Grossmünster in Zürich wirkte Konrad von Mure (um 1210–1281), in dessen Person Wissenschaft und Bildung ein Niveau erreichten, das über dem Durchschnitt des Üblichen liegt. Er war in Muri im Aargau geboren worden und besuchte vermutlich die dortige Klosterschule. Über seinen Studien- und Werdegang sind wir nicht ausreichend unterrichtet, er scheint indes mit dem Stand der Wissenschaft, wie er in Bologna und Paris gelehrt wurde, vertraut gewesen zu sein und hatte berufliche Erfahrungen an der päpstlichen Kurie gemacht. Er übernahm dann in Zürich das Amt des rector puerorum und leitete als Magister die Stiftsschule von 1244 bis 1271. Er war bald auch Chorherr (seit 1246) und wirkte unter anderem als erster cantor bei der Leitung der Liturgie. Er war verheiratet, Vater von fünf Kindern und verfügte über gute Beziehungen zu König Rudolf I. von Habsburg. Er verfasste zahlreiche Schriften. Diese gehören ganz in den Zusammenhang seiner Tätigkeiten. In vielem erscheint er als Fortsetzer eines Isidor von Sevilla oder eines Beda Venerabilis, welche Jahrhunderte vor ihm das antike Wissen enzyklopädisch festgehalten haben. So verfasste er unter anderem eine Summa de arte prosandi und ein grammatisch-enzyklopädisches Handbuch, den Novus Graecismus. Sein Fabularius sammelt und gliedert gleichfalls enzyklopädisch einen als Grundwissen verstandenen und im Hinblick auf diese Funktion kompilierten Teil der Überlieferung aus Antike und Christentum. Dazu gehörten Bibel und Heiligenlegenden, so die Legende vom Martyrium von Felix und Regula. Ebenso einbezogen waren die antike Mythologie, die Geschichten von Alexander dem Grossen und die Trojaüberlieferung.
Konrad von Mure stand in Zürich nicht allein, die Blüte von Kultur und Literatur im Manessekreis gehört in diese Zeit.